Neu im Plattenregal: Die Alben vom 23. März 2012



In unserem beliebten Überblick der Alben der Woche reisen wir weiterhin durch die Plattenläden des Landes. Heute empfehlen wir einen Besuch bei H&M Schallplatten, Passauerstraße 10 in 84359 Simbach am Inn. Alle Infos zum Laden gibt es hier.

All-American-Rejects – „The Kids In The Street“ (Interscope/UID/Universal)
Tyson Ritter und seine Herren haben seit ihrem Single-Erfolg „Gives You Hell“ auch in der deutschen Musiklandschaft ein recht gutes Standing. Auf „The Kids In The Street“ liefern sie Musik für die Zielgruppe, die dem Album den Titel gab. Der mal gut gelaunte, mal melancholische Pop-Rock passt gut in jede Vorstadtpubertät und kann sich auch noch ein paar Jahre länger halten. Sehr gut gelingt ihnen das bei „Someday’s Gone“ und in der Ballade „Drown Next To Me“, die Stilausflüge in Richtung Elektro-Pop wie im Titelsong könnten sie sich hingegen sparen… (Daniel Koch)
>>>> Video: „Beekeeper’s Daughter“


Birdy – „Birdy“ (Warner)
Auf ihrem Debüt covert sich die junge Britin einemal quer durch die Indiepopwelt und verzückt dabei mit „fester Zahnspange und altklugem Vortrag“, neigt jedoch dazu „Schwülstigkeit mit Emotionalität“ zu verwechseln, wie Gunther Reinhardt in seiner Review befindet.
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>>>> Clip zu „Shelter“

Grinderman – „Grinderman 2 RMX“ (Mute/GoodToGo)
Kann sich hören lassen, was Nick Cave und seine Grinderman hier an Künstlern versammelt haben, um die Songs ihres letzten Albums zu remixen oder neu zu interpretieren. Bowie- und Eno-Gitarrist Robert Fripps „Super Heathen Child“ sägt einem schon gleich zum Einstieg den Schädel auf, bevor A Place To Bury Stranger das mit „Worm Tamer“ in Sachen Feedbackfreude noch toppen. Ebenso überzeugend ist das dunkle, verwehte „When My Baby Comes“ vom Sideproject des Horrors-Sänger Cat’s Eyes. Der „Silver Alert Remix“ von Evil geht dann noch einen Schritt weiter und lässt den The National-Sänger Matt Berninger zu Caves verzerrtem Jaulen croonen. Eine wundervolle Kombination und ein Remix-Album mit keinen nennenswerten Ausfällen. (Daniel Koch)
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Heidi Happy – „Hiding With The Wolves“ (Vitesse/Cargo)
Heidi Happy heuerte für „Hiding With The Wolfes“ gleich ein ganzes Orchester an und wirft das ihr anfänglich angezogene Blümchenkleid so ein Stückchen weiter aus dem Fenster. Zwar verirrte sich auch auf den Vorgängern „Back together“ und insbesondere „Flowers, Birds and Home“ schon der ein oder andere Streicher oder Posaunist, doch jetzt haben diese deutlich mehr Fläche im Studio zugeteilt bekommen. Dabei lässt sich Heidi Happy – die ihrem Namen übrigens glücklicherweise nicht zu gerecht wird – jedoch nicht den Taktstock aus der Hand nehmen, hat alle Parts selbst komponiert und dominiert ihre mal folkigen, mal jazzigen Songs durchweg mit ihrer klaren, warmen Stimme. (Miriam Mentz)
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Madonna – „MDNA“ (Interscope/UID/Universal)

Es geschieht nicht oft, dass die Feuilletons von FAZ und Süddeutscher Zeitung die exakt gleiche Aufmachung haben“ – doch heute, zur Veröffentlichung von Madonnas zwölften Album, sind sich die Feuilletons einmal gestalterisch einig, wie Sebastian Zabel feststellt. Auf „MDNA“ gibt es „reichlich aggressive Böllerdisco, gelegentlich von unspektakulären Midtempo-Songs unterbrochen, ohne die großen Überraschungen und Höhepunkte“, doch irgendwie ist das auch „ganz ok so“. Die vollständige Review von Sebastian Zabel gibt es hier.

>>>> Clip zu „Give Me All Your Luvin'“

Audra Mae – „Audra Mae & The Almighty Sound“ (Side One Dummy/Cargo)
„I’m the real thing“, stellt Audra Mae gleich im ersten Song klar. Und man  nimmt es ihr nicht mal übel, da ihre Stimme dermaßen vor Selbstbewusstsein strotzt, dass sie ruhig mal den Mund aufreißen kann. Auch die für ihr zweites Album neu zusammengestellte Band versteht es, ihre Stimme mit soulig-dreckigem Spiel zu inszenieren. In „Little Red Wagon“ zum Beispiel funktioniert das vorzüglich und man hat gleich vor Augen, wie sie diesen Song in einer schummerigen Cowboybar performt, dazu auf das Klavier steigt und die Herren bezirzt, ihren „Little Red Wagon“ zu besteigen. Einzig die lyrisch oft getroffenen Klischeefallen sind ein kleines Problem, das nicht bei allen Songs in den Hintergrund gespielt werden kann.
 

Laura Marling – „A Creature I Don’t Know“ (Cooperative Music/Universal)
Es ist ein Kreuz mit diesen Bonus-CDs. Da ist man Fan, kauft das Album und ein halbes Jahr später muss man sich es noch mal in schöner und größer nachkaufen. Aktuelles Beispiel: Die Deluxe-Version von „A Creature I Don’t Know“. Da findet man die Bonus-CD „Live From York Minister“ mit vorzüglichen Live-Aufnahmen, die man natürlich auch haben will. Also, man würde gerne was anderes raten, aber es bleibt einem wohl nix anderes übel: Die normale Version verschenken oder auf Ebay verticken und den Nachschlag dazukaufen…
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Mars Volta – „The Noctourniquet“ (Warner Bros./Warner)
Nachdem erst kürzlich bekannt wurde, dass sich At The Drive-In nach elfjähriger Pause wieder vereinen wollen, erscheint heute doch erst noch das neue The Mars Volta Album „Noctourniquet“. Nach Alexander Müller eine „laute und anstrengende, manchmal aber auch seltsam schöne Kopfgeburt“. Hier gibt es die ganze Review .

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Ministry – „Relapse“ (AFM/Soulfood CD)

Als Ministry 2007 „The Last Sucker“ veröffentlichten, sollte es das letzte Album werden. 2011 erschien mit dem Coveralbum „Undercover – Ministry and Co-Conspirations“ dann doch noch ein kleiner Nachhieb , der heute mit „Releapse“ zum kompletten Rückfall wird. Passend zum Neuanfang hat Sänger Al Jourgensen dafür aber so manch andere Angewohnheit hinter sich gelassen – vorneweg das Rauchen, Alkohol- und Drogenexesse sowie der Fleischkonsum. Kein Grund leisere Töne anzuschlagen – wie „Relapse“ beweist.

>>>> „99 Percent“ und „Double Tab“ im Stream

>>>> Making-Of „Relapse“

Rocket Juice & The Moon – Rocket Juice And The Moon (Honest Jons /Indigo)

Muss man sich Sorgen machen um Damon Albarns Gesundheit? Hat der Mann inzwischen vielleicht doch ein paar Projekte zu viel? Mit diesen und anderen Fragen rund um die erste Zusammenarbeit von Damon Albarns, Red-Hot-Chili-Peppers-Bassisten Flea und Ex-Fela-Kuti-Schlagzeuger Toni Allen hat sich Jürgen Ziemer in seiner Review beschäftigt. Und die gibt es hier.

Frankie Rose – „Interstellar“ (Memphis Industries/Indigo)

Das sagen unsere Rezensions-Quickies: „‚Frankie Rose & The Outs‘ war 2010 die süßlichste, traumhafteste Girl-Pop-Platte im Stil der 60er-Jahre. Diesmal ist der Ton der New Yorkerin herber, die Achtziger haben Einzug gehalten in ihre Songs, viel Joy Divison, ein wenig Kate Bush. Und dank innovativer Synthie-Flächen gar nicht retro.“

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Wedding Present – Valentina (Stickman/Soulfood)

Wie auch schon auf „Take Foutain“ sinnt David Gedge auf „Valentina“ „Unversöhnlich dem Vergangen nach und spielt brutale „Gitarren-Riffs dazu“. Weitere Einschätzungen von Arne Willander gibt es hier.

Paul Weller – Sonik Kicks (Cooperative Music/Universal)

„Jetzt springt ihm der Draht aus der Mütze, jetzt brennt sein Hut: Olle Weller entdeckt den Krautrock, die Elektronik, die Abstraktion!“ und macht genau „das Album, das wir ängstlich erwartet hatten“, schreibt Arne Willander. Hier geht es zur Review.

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