Neue Bücher: Tom Waits als „Der Geschichtenerzähler“


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Dieser Band zeigt sehr schön, dass idealerweise, wenn ein Musikjournalist mal inspiriert ist von seinem Gegenstand und eine gewisse formale Potenz besitzt und zudem der Gesprächspartner etwas zu erzählen hat, der wenig reputierlichen und oft genug vergeigten Gattung Interview durchaus auch mal künstlerische Qualitäten zuwachsen können.Ja, man muss sagen, dass die hier versammelten kauzigen Geschichten Teil ebenso des Waitschen Werkes sind wie die – nun ja – kauzigen Geschichten auf den vielen Alben des Meisters.

Die Kritiker, die Montandon hier versammelt, haben tatsächlich meistens einen besonders guten Tag erwischt, und Tom Waits beweist sich einmal mehr als großer Stehgreifrhetoriker. Er ist ein genuiner „Geschichtenerzähler“, der für alles eine witzige Anekdote parat hat, der aber auch liquide das Register wechseln und den bloßen Stoff durch eine kluge, stupend gebildete Reflexion abstrahieren kann. Ganz der Lehrersohn, den er in seiner ersten Werkphase zu verbergen versuchte.

Waits weiß zudem so kreativ mit den alten abgerockten Floskeln und Formeln zu spielen, dass hinter der vermeintlichen Vollbedienung des Formats zugleich auch immer wieder seine Dekonstruktion lauert. Als ihn der „Musician“ fragt, ob er jungen Musikern irgendwelche Ratschläge geben könne, meint er lapidar: „Schmeißt Fenster ein, raucht Zigarren, und bleibt lange auf. Sagt ihnen, dass sie das machen sollen, und sie finden einen kleinen Topf voller Gold.“

Frank Schäfer

Das Buch ist im Kartaus-Verlag erschienen, der übrigens mit dem wunderbaren Claim wirbt: „Damit sie nicht mit Rosamunde Pilcher ins Bett gehen müssen.“

Und wo man gerade beim Thema Tom Waits und Interviews ist. Hier eine kleine Auswahl in der Videogalerie:

Und wo man gerade beim Thema Tom Waits und Interviews ist. Hier eine kleine Auswahl in der Videogalerie: