Niall Horan im Interview: „Dinner Party“ und das Älterwerden
Niall Horan spricht im Interview über sein neues Album „Dinner Party“, eine neue Arbeitsweise und dass er mit 32 Jahren verletzlicher und emotionaler geworden ist.
Nach drei Solo-Alben und gut siebzehn Jahren in der Musikindustrie gibt sich Niall Horan erfahrener, weiser, softer. Für seine vierte Platte macht er einiges anders. Wir haben den 32-Jährigen in Berlin getroffen und mit ihm über Verletzlichkeit, Wachstum und Dinner Partys gesprochen.
Wenn er aussuchen dürfte, wäre er bei einer Dinner Party lieber Gast als Gastgeber, verrät der Sänger. Sein neues Album heißt „Dinner Party“ und erscheint am 5. Juni. Als wir ihn treffen, ist er in Berlin, um seine Fans bei einem Pre-Listening erstmals die neue Musik schnuppern zu lassen. An diesem Abend wird er also der Gastgeber sein. „Ich bin ein guter und gleichzeitig schlechter Gastgeber“, gibt Horan zu, „ich muss die ganze Zeit aufräumen und verbringe deshalb weniger Zeit damit, mit allen zu reden.“ Dennoch nimmt er sich an diesem Mittag ein paar Minuten, um uns auf die Entstehungsreise seines neuen Albums mitzunehmen.
Seine neue Arbeitsweise
„Dieses Mal wurde das Album etwas anders gemacht: Wir haben Häuser an verschiedenen Orten auf der Welt gemietet – Texas, London, Nashville – wir waren überall. Wir sind jeweils eine Woche geblieben und danach auf Abstand zum Album gegangen. Dann haben wir neue Ideen gesammelt und sind zurückgekehrt. Jedes Mal, wenn wir zurückkamen, hatten wir eine ganze Band vor Ort und haben einfach gespielt. Ich hatte ein Mikrofon und habe während des Spielens drauflosgesungen. So haben sich die Melodien für die Songs entwickelt. Das ist ein deutlicher Unterschied zu früher, wenn wir einfach zusammengesessen sind, gespielt und geredet haben.“
Das Album als Setlist: Tempo statt Chronologie
„Ich habe das Album mehr wie eine Setlist behandelt – ich denke, Setlists und Tracklists sind sehr verschieden. Auf meinem letzten Album ‚The Show‘ habe ich eine chronologische Geschichte erschaffen. Bei diesem Album fühlt sich das Tempo wichtiger an: die Menschen hoch und wieder runter zu bringen, dann wieder hoch und dann ein klein wenig runter.“
„Das ist, was man bei einer Konzert-Setlist tut: Man versucht, es wie eine Achterbahn zu sehen, die hoch- und runterfährt. Man versucht, die Emotionen die ganze Nacht im Fluss zu halten. Bei dieser Tracklist ist es dasselbe.“
Verletzlichkeit und das Älterwerden
„Dinner Party“ handelt neben dem Kennenlernen seiner Freundin auf einer Dinner Party auch von anderen, sehr persönlichen Themen. Niall Horan findet, er ist mit dem Alter etwas „soft“ geworden: „Ich glaube, ich bin schon vorher ziemlich verletzlich gewesen. Den Menschen ist diese Verletzlichkeit diesmal einfach aufgefallen. Wahrscheinlich bin ich auf einigen Songs dieses Albums schon etwas verletzlicher gewesen. Ich schätze, das kommt mit dem Alter. Vielleicht werde ich einfach ein wenig älter, softer und emotionaler.“
Vom großen Publikum zum einzelnen Fan
Wir fragen ihn, worüber er durch seine wachsende Erfahrung heute anders denkt als früher. Seine Antwort ist ausführlich und zeigt die tiefe Wertschätzung seiner Fans:
„Ich glaube, man wird generell weiser je älter man wird. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich spezifisch ist. Dinge, über die man nie nachgedacht hat, beschäftigen einen jetzt – oder andersherum: Über Dinge, die man locker gesehen hat, denkt man plötzlich tiefer nach.“
Niall Horan kehrt mit seinem Album „Dinner Party“ weiser und verletzlicher zurück – und ist damit seinen Fans so nah wie nie. Unser ganzes Gespräch über seine perfekte Dinner Party und die Entstehung des Albums könnt ihr hier ansehen:
„Mit den Jahren wird man erfahrener im Leben und denkt über Dinge anders nach als früher. In Bezug auf meine Arbeit: Je länger ich es mache, sehe ich die Menschen, die zu den Konzerten kommen und die Musik kaufen, anders. Ich finde es so interessant, erstens, dass sie noch immer kommen, und dass jede einzelne Person eine Geschichte hat. Vor Jahren stand ich auf der Bühne und habe sie nur als ein großes Meer an Menschen wahrgenommen, die zum Zuschauen und Genießen gekommen sind. Jetzt denke ich sehr individuell über sie nach. Jede Person hat eine Geschichte, wie sie zum Fan geworden ist, woher sie die Musik hat, die Konzerttickets, wie sie an diesem Abend hergekommen ist. Ich fühle mich der einzelnen Person verbundener als der großen Gruppe.“