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Freiwillige Filmkontrolle


Noga Erez über Billie Eilish, toxische Beziehungen und Erwachsenwerden


von

„Wie viel kann man über sich selbst wissen, wenn man noch nie in einem Kampf war?“, fragt Tyler Durdan in Fight Club. Die gleiche Frage könnte auch von der israelischen Musikerin Noga Erez stammen. Mit gewohnt starker, kluger Stimme und glasklarer Introspektion beschäftigt sich die Musikerin aus Tel Aviv auf ihrer neuen Platte „Kids“ mit der Evolution des Selbst und dem Kampf des Erwachsenwerdens in der politisch aufgeladenen, postmodernen Welt des 21. Jahrhunderts.

Während Samples von Erez‘ Mutter mit Generationen-Grenzen spielen, wummern die Bässe zwischen messerscharfen politischen Messages und rhythmisch vielschichtig, klirrenden Poparrangements. So wird „Kids“ zu Erez‘ eigenem Spielplatz, auf dem sie sich zusammen mit ihrem Partner und Produzenten Ori Rousso in den letzten drei Jahren gehörig ausgetobt hat.

Nachdem ihre Vorgängerplatte „Off The Radar“ 2017 international bereits ordentlich Aufsehen erregte, konzentrierte sich das mediale Interesse oftmals mehr auf Erez‘ Heimat als auf ihre Musik. Nun schafft sich die 31-Jährige den Raum ihre persönliche Geschichte zu erzählen.

Freiheit mit Linie

Noga Erez ist überzeugt: Am Anfang sei der Mensch, „dieses runde Ding, das völlig rein und fast formlos ist“. So formt sich das Ich nach und nach aus dem Granit-Ei und ultimativ fragt sich Erez in ihrer Musik, wer den Meißel hält. Wie viel Freiheit der eigenen Lebensgestaltung zukommt. Schweben wir im Spinnennetz von Kontingenzformeln, verheddert und hilflos in den klebrigen Fäden unserer Umstände? Als Beute in den Fängen von Korruption, Medien und Politik schaukeln wir scheinbar daher. Also zappeln, nach Hilfe rufen oder Kräfte sparen?

Der Schlüssel liegt für die Künstlerin im bewussten Kontrollverlust. So besteht Flexibilität nicht nur aus Loslassen, sondern auch aus der Wahrnehmung der eigenen Einflusssphären. Und so klingt auch „Kids“. Da fliegen die Vocals in die Ferne, katapultieren in Null-Komma-Nichts zurück und hüpfen locker-flockig über die saftigen Beats – Freiheit mit Linie.

„Im Leben geht es darum, die Kontrolle loszulassen, denn schließlich kann man kleine Dinge kontrollieren, aber in Wirklichkeit kann man nichts kontrollieren…Wir denken, wir wissen Dinge. Wir planen, aber die Dinge können sich einfach ändern“. Sie schlussfolgert: „Ich denke, das Einzige, wo wir den Anspruch haben können, es zu kontrollieren, ist, wie wir uns über Dinge fühlen.“

Am Ende sind es die eigenen persönlichen Kämpfe, die uns Menschen formen. „Wenn du so reibungslos durch diese Reise des Lebens gehst, wie kannst du dann wissen, wer du bist?“, fragt Erez.

Ganz nebenbei bemerkt: Auch Billie Eilish und Finneas zählen, bereits seit Jahren zu ihren Fans und ließen sich nicht selten von Erez‘ Musik inspirieren.

Rolling Stone: Noga Erez, mit „Kids“ bist du einerseits sehr realtitätsnah mit Tracks wie „Fire Kites“, gleichzeitig versuchst du dich in „No News On TV“ an der Utopie und dann gibt es da noch die dritte Sphäre, in der du persönliche Beziehungen und philosophische Ansichten über das Leben erkundest. How do you pick your battles?

Noga Erez: (lacht) Das tue ich nicht, deshalb gibt es so viele Themen auf dem Album. Dieses Album umfasst drei Jahre meines Lebens und das meines Partners Ruosso, mit dem ich die Musik mache, und diese drei Jahre waren sehr intensiv. Manchmal ist es eine Dringlichkeit, über die man wirklich sprechen möchte, aber um ehrlich zu sein, suchen sich die Themen oft einfach von selbst aus. Man fängt an, einen Song zu schreiben, Ori macht einen Beat oder eine Atmosphäre und dann fangen wir an, etwas darüber zu machen. Manchmal denken wir nicht über das Konzept des Songs nach, bevor wir ihn schreiben, wir fangen einfach an, zu improvisieren und Worte darüber zu plappern und dann realisiert es sich von selbst.

Du sagtest „Kids“ ist politisch, denn heutzutage ist alles politisch – sogar die Entscheidung, sich nicht zu engagieren. Kommt damit nicht auch ein gewisser Druck? Spürst du den bei diesem Album?

Ja, das spüre ich, und je mehr ich darüber spreche, desto mehr merke ich, dass die Leute das auch so empfinden. Vielleicht weil unser Leben nicht mehr so persönlich ist wie früher, alles wird gezeigt und geteilt und alle unsere Handlungen haben Konsequenzen für die Welt und wir sind uns dessen bewusster. Es ist nicht etwas, das ich mag oder bei dem ich mich sehr wohl fühle. Ich wünschte, wir könnten einfach Dinge tun und nicht darüber nachdenken, wie sie andere Dinge beeinflussen. Aber ich glaube einfach nicht, dass das ein Privileg ist, das wir in der heutigen Welt noch haben.

Ich habe das Gefühl, dass in „Fire Kites“ und „Kids“ deine politische Stimme am stärksten ist, wenn es um den Konflikt in Israel geht. In dem Film „Fight Club“ fragt Tyler Durden: „Wie viel kann man über sich selbst wissen, wenn man noch nie in einem Kampf war?“ Was denkst du darüber in Bezug auf die Entdeckung deiner politischen Stimme?

„Fight Club“ ist wahrscheinlich einer meiner Lieblingsfilme aller Zeiten. Ein großer Teil dieses Albums handelt von dieser ganzen verrückten Erfahrung, dass das Leben ein Ende hat und wir wissen, dass es irgendwann zu Ende ist. Wenn du so reibungslos durch diese Reise des Lebens gehst, wie kannst du dann wissen, wer du bist? Aber dann denke ich, dass diese Schläge, die man vom Leben bekommt, das sind, was einen gestaltet. Man beginnt das Leben als Kind, dieses runde Ding, das völlig rein und fast formlos ist, und was es formt, ist das, was wir durchmachen, und die schwierigen Dinge formen uns am meisten. Ich glaube fest daran, dass dies eine außerordentlich positive Art ist, Misserfolge zu betrachten. Es ist einfach eine Art, diesen holprigen Weg als eine große Suche nach dem Selbst zu sehen.

Es geht auch viel um Kontrolle und das Loslassen von Kontrolle, was du in „End Of The Road“ erkundest, wenn du beschreibst, wie du mit einem Lächeln auf das Unbekannte zugehst. Bei welchen Dingen fällt es dir schwer Kontrolle loszulassen?

Das ist eine interessante Frage, weil ich so viel Kontrolle in meinem Leben habe. Ich habe immer grünes Licht für meine Suche nach Individualität bekommen, bis ich erwachsen wurde. Ich bin bei einem unabhängigen Label unter Vertrag, das viel Respekt vor der künstlerischen Freiheit hat. Ich bin also von einer Welt umgeben, in der ich die Kontrolle über alles habe, und ich bin auch der Typ Mensch, der in die kleinsten Details dessen, was ich tue, involviert ist. Wo ich loslassen muss, ist, wenn ich jemand anderem die Arbeit übergebe. Ich arbeite mit immer mehr Menschen zusammen, während ich als Künstlerin wachse und immer mehr Menschen in mein Leben kommen. Wenn ich Mikromanagement betreibe, gibt das den Leuten das Gefühl, dass man ihnen nicht vertraut, und das ist eine Lektion, die ich nach „Off the Radar“ gelernt habe: Wenn man anderen Leuten eine Aufgabe gibt, machen sie sie oft besser als man selbst und man muss ihnen einfach vertrauen. Aber bei allem im Leben geht es darum, die Kontrolle loszulassen, denn schließlich kann man kleine Dinge kontrollieren, aber in Wirklichkeit kann man nichts kontrollieren. Du kannst die Person, mit der du zusammenlebst, nicht kontrollieren, wenn sie eines Tages beschließt, wegzugehen, wenn sie nicht mag, wie die Dinge laufen, oder sogar, was morgen mit dir passiert. Alles ist einfach so unglaublich zufällig, und das vergangene Jahr war ein großartiges Beispiel dafür, dass wir nichts wissen. Wir denken, wir wissen Dinge, wir planen, aber die Dinge können sich einfach ändern, und wo sich die Welt hinbewegt, wird es immer mehr so sein, dass sich die Dinge direkt vor unseren Augen ändern. Aufgrund von Konsequenzen, für die wir verantwortlich sind, wie das Klima oder andere Dinge. Flexibel zu sein, sich zu verändern, ist also eine wirklich wichtige Eigenschaft, die man im 21. Jahrhundert haben sollte.

Andererseits sprichst du in „No News On TV“ auch von der Agency, die wir haben, indem du beschreibst: „Jemand kam herein und knackt das Schloss / wir merkten nicht einmal, dass wir festsaßen“. Du sagst, dass die Erlösung von innen kommt und wir in diesem System der Medien und Politik gefangen sind und es nicht einmal merken. Das erinnert mich an den existentialistischen Gedanken, dass man ausbrechen muss, um seine eigene Wahrheit zu finden, und das ist es, worüber man die absolute Kontrolle hat.

Ich denke, das Einzige, wo wir den Anspruch haben können, es zu kontrollieren, ist, wie wir uns über Dinge fühlen. Der Unterschied zwischen Schmerz und Leiden. Der Unterschied zwischen dem Gefühl, gefangen zu sein und vom System kontrolliert zu werden, und dem Gefühl, ein Opfer des Systems zu sein. Ich denke, das ist der Punkt, an dem die Bewusstseinsarbeit einsetzt. Was du da sagst, ist so unglaublich tiefgründig, denn das ist es, worüber ich in den letzten Jahren am meisten frustriert war und Songs wie „Fire Kites“ und „Kids“ geschrieben habe, wo die Grundannahme ist, dass alles verloren ist, weil alles von Korruption verwaltet wird. Weil alles am System so kaputt und abgefuckt ist. So frustriert und hoffnungslos über alles zu sein, hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, dass das Einzige, was ich kontrollieren kann, zuallererst ist, wie ich mich dabei fühle. Wie sehr ich es in mein Leben lasse. Aber auch meine sehr kleine Rolle in diesem Leben zu verstehen und zu lernen wie ich meine unmittelbare Umgebung beeinflussen kann.

An einer Stelle hast du sogar gesagt, dass die Tatsache ein Opfer seiner Umstände zu sein, dir eine Entschuldigung dafür gibt, unerbittlich zu sein – ein interessanter Gedanke.

Eine Zeit lang habe ich Songs darüber geschrieben, wie beschissen die Dinge sind, und einige der Texte, die ich für „Bark Loud“ oder „Knock out“ hatte, die es nicht auf die Platte geschafft haben, waren die selbstviktimisierenden, die ich einfach nicht in die Welt hinausbringen konnte, denn obwohl ich das in dem Moment gefühlt habe, konnte ich das nicht zu Wort kommen lassen. Eine Zeit lang habe ich darüber geschrieben, dass meine Lebensumstände einfach nicht gut sind für das, was ich zu tun versuche, und ich habe Dinge dafür verantwortlich gemacht, dass ich nicht so erfolgreich bin, wie ich denke, dass ich sein sollte. Und ich habe das Gefühl, dass einige meiner schlimmsten Verhaltensweisen aus diesem Gefühl heraus entstanden sind, dass ich mich wie ein Außenseiter fühle, also könnte ich genauso gut einfach nur eine „Bitch“ sein oder mich durchbeißen. Ich denke, daher kommt vieles Böse in der Welt. Ich glaube nicht, dass Kinder immer böse sind, ich denke, dass Kinder durch ihre Erfahrungen lernen, in der Welt zu überleben. Und wenn man sich misshandelt fühlt oder einem etwas weggenommen wurde, gibt man sich die Freiheit, zu tun, was man will und andere Menschen zu misshandeln.

Wenn man sich selbst zum Opfer macht, erlaubt man sehr oft auch anderen Menschen, dich dementsprechend zu behandeln. Das führt mich zu „You So Done“, in dem es um eine toxische Beziehung geht, in der man, soweit ich den Text interpretiert habe, eigentlich weiß, dass man besser ist, aber man lässt sich trotzdem in diese Beziehung hineinziehen, was zu einer Diskrepanz zwischen Selbstbild und Realität führt, die schließlich in einer Verlegenheit endet.

Hier wird etwas dokumentiert, was mir im wirklichen Leben passiert ist. Diese Situation, in der er mich an einen öffentlichen Ort, ein Café, mitnahm, um mit mir Schluss zu machen, weil er wusste, dass ich ausflippen würde und er nicht mit meiner Reaktion umgehen wollte. Also dachte er, ich bringe sie einfach irgendwohin und mache Schluss mit ihr und muss mich nicht damit auseinandersetzen, dass sie durchdreht. Ich glaube nicht, dass ich in der Zeit, die ich in dem Lied „You’re so Done“ beschreibe, irgendeinen Selbstwert hatte, ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich tief im Inneren wusste, dass ich etwas Besseres verdient hätte. Ich war sehr, sehr tief im Dunkeln. Ich hatte keine Ahnung, wer ich war. Ich habe wirklich den Überblick darüber verloren, was ich bin und was mich ausmacht, und das wurde mit der Zeit immer schlimmer, das führte wirklich zu einem Ort, an dem ich nicht in der Lage war, dieses eine Licht zu halten, das aus einem dunklen Tunnel kommt und sagt: „Das ist nicht wirklich das, was ich verdiene“, weil es so lange her ist, dass ich diese Erfahrung von Selbstwert hatte, dass alles, was ich im Grunde genommen über mich hatte, dieses Wissen war, dass meine Partner mich schlecht behandeln, weil es das ist, was ich verdiene. Aber das ist ein böser Kreislauf. Wie du sagst, wenn man sich selbst zum Opfer macht, hält man weniger von sich selbst und das sind dann die Leute, die man in sein Leben einlädt.

 

Gerade bei diesem Song sind mir einige Ähnlichkeiten zu Billie Eilishs und Finneas Produktion aufgefallen. War sie ein Einfluss?

Ja, auf jeden Fall. Wir lieben ihre Produktionen, wir kennen sie und ihren Bruder sogar. Sie hatte diesen Podcast mit ihrem Vater auf Apple Music und sie haben Songs gespielt, die sie lieben und sie spielten einen von mir und jeder hier in Israel flippte deswegen aus und die ganzen Medien waren interessiert. Es war verrückt, du hast keine Ahnung, wie die Dinge in Israel explodieren können, es ist so ein kleiner Ort. Also wird jede einzelne Sache, die sagt, dass wir nicht nur eine Insel in der Welt sind, zu einer verrückten Sache. Im Podcast war es das erste Mal, dass sie der Welt sagten, dass sie uns lieben, obwohl wir das schon lange wussten.

Achso, woher denn?

Billie Eilish und ich waren 2017 in demselben Artikel in der Zeitschrift „The 405“, in dem es um so etwas wie „die vielversprechenden neuen Acts des Jahres 2018“ oder so ging. Und ihr Vater hat den Artikel gelesen und er ist ein großer Musikliebhaber und hat sich unsere Musik angehört und er liebte sie. Er hat uns später erzählt, dass er versucht hat, sie (Billie und Finneas) davon zu überzeugen, es sich auch anzuhören, das fiel ihm aber schwer, weil er ihr Vater ist und sie nicht auf alles hören, was er ihnen sagt. Schließlich haben sie es sich angehört und nachdem sie es getan hatten – das war vor langer Zeit, als wir anfingen zu reden – explodierte alles bei ihnen. In kürzester Zeit wurden sie die größte Sache der Welt. Aber in der Zwischenzeit schrieben wir Nachrichten hin und her wie „wir lieben die Produktion hier und dort“. Ich habe das Gefühl, dass unsere Musik von ihnen genauso beeinflusst ist, wie sie von uns beeinflusst wurden. Das haben sie uns buchstäblich gesagt. Aber als ihr Album herauskam, dachte ich, dass es das Beste ist, was der Popmusik seit langem passiert ist. Ich bin einfach so glücklich, dass der Mainstream eine Person akzeptiert und feiert, die so dunkel und gleichzeitig so melodisch und weich ist.

Habt ihr immer noch Kontakt, auch nachdem sie sich aufgelöst haben?

Ja, ab und zu schrieben wir uns „Ich liebe dies, ich liebe das“.

Habt ihr jemals darüber nachgedacht, zusammenzuarbeiten, da ihr so große Fans voneinander seid?

Ich wäre auf jeden Fall sowas von dabei. Wenn sie es wollten, würden sie sich melden.

Wer ist jemand, den du selbst anpreisen würdest, wenn du einen eigenen Podcast hättest?

Es gibt eine Künstlerin, die ich in letzter Zeit sehr stark verfolgt habe. Ihr Name ist Fousheé. Ich liebe ihre Stimme.

Da ich dich für den ROLLING STOBE interviewe, muss ich das fragen: In „No News On TV“ zitierst du Bob Dylans „Like A Rolling Stone“. Welchen Einfluss hatte Bob Dylan auf deine musikalische Sozialisation?

Bob Dylan ist der Soundtrack meiner Kindheit. Nicht so sehr wie die Beatles – meine Eltern waren schwer auf die Beatles fixiert. Es wurde zu Hause ständig gespielt. Es ist einer dieser sehr frühen Einflüsse, die für mich monumental bleiben werden, und er hat all diese Texte, die mir in jeder Situation in den Kopf kommen.

In einem deinen Songs sampelst du oft deine Mutter. Gibt es noch andere versteckte Samples oder Audiotricks in dem Album, von denen keiner weiß?

Auf dem ganzen Album gibt es zwei Elemente, die die Songs zusammenhalten. Das eine ist die Stimme meiner Mutter, die uns Anweisungen gibt. So schreit sie vor dem „Refrain“ auf Hebräisch. Das ist so lustig, weil ich versucht habe, einen Satz aus ihr herauszubekommen, der so ziemlich der letzte Satz wäre, den man von seiner Mutter hören würde – wie „Kannst du den Sub aufdrehen, damit wir es wirklich fühlen können“ – denn normalerweise heißt es „Kannst du es ein bisschen leiser machen“. Und es hat auch etwas mit unserer Generation zu tun, die sich immer nach extrem intensiven Erfahrung von allem sehnt. Wir müssen den Bass in unseren Mägen spüren. Und der Grund, warum sie das sagt, ist, dass das einfach nicht ihre Generation ist. Die Bandbreite der Emotionen war so unglaublich anders. Und dann hört man, wie sie sich über „Kids these days…“ über die neue Generation beschwert, und das ist nichts, was meine Mutter sagen würde, aber ich wollte, dass sie die Stimme der vorherigen Generation ist und diese Beziehung erforscht. Was andere Samples angeht: Wir haben viele kleine Anklänge an die hebräische Sprache in den Songs. Ab und zu hört man etwas auf Hebräisch und Leute in Israel kommentieren zu „You So Done“ oft sowas wie „Ich liebe es, wie sie „oi voi voi“ sagt“, was „oh nein“ bedeutet. Das ist ein privater Witz, den ich mit meinen Leuten hier zu Hause habe.

Englisch ist nicht deine Muttersprache, wie wirkt sich das auf deine Musik aus?

Obwohl ich durch Musik und Poesie tiefer in die Sprache eindringen konnte, wird mein Wortschatz niemals so groß sein wie der in meiner Muttersprache. Und das wirft für mich die Frage auf: „Warum mache ich nicht Musik in der Sprache, die nicht die Sprache ist, in der ich denke, es ist nicht die Sprache, in der ich träume.“ Man geht schlafen und bekommt im Schlaf so viel erledigt und dann muss man alles übersetzen. Offensichtlich habe ich meine Gründe. Wenn ich Musik auf Hebräisch machen würde, würde ich nur in Israel auftreten, aber auch die Kultur, mit der ich aufgewachsen bin, ist größtenteils auf Englisch.

Wenn ich eine andere Sprache spreche, macht es das einfacher, über Dinge zu sprechen, die mir am Herzen liegen, weil die Sprache eine gewisse Distanz schafft, eine Art Puffer.

Ich nenne das die „Detour“, weil man im Grunde die Sache sagt, aber irgendwie dennoch aus Selbstschutz drum herum tanzt. Gleichzeitig kann man sogar noch mehr Preis geben. Ich kritisiere mich oft nach dem Motto „Warum sagst du es nicht in deiner eigenen Sprache, du solltest direkt und authentisch sein“, aber dann sage ich am Ende Dinge, die ich auf Hebräisch nie sagen könnte. Ich kann in einer anderen Sprache tiefer gehen. Es bringt also mehr emotional aufgeladenes Material von mir.

Du arbeitest mit deinem Partner Ori Rousso zusammen. Was ist die größte Schwierigkeit, wenn man neben der Partnerschaft auch noch eine Arbeits- und Kreativbeziehung führt?

Wir produzieren nicht nur die Songs, wir schreiben sie auch zusammen, was noch tiefgründiger ist. Wir werden ständig besser darin Arbeitskollegen zu sein. Am Anfang war es sehr durcheinander, da wir beide alles gemacht haben. Dann kam aber ein Punkt, an dem ich wirklich sagen konnte, dass Rousso mein Lieblingsproduzent auf der ganzen Welt ist – ernsthaft, ich liebe das, was er macht, so sehr, dass ich ein wenig die Kontrolle abgegeben habe. Ich musste ihm Raum geben, um sein Ding zu machen, und wenn ich loslasse, passiert so viel Magie bei ihm. In einer Beziehung geht es viel darum, die andere Person die beste Version von sich selbst sein zu lassen, und manchmal bedeutet das, ihr die Möglichkeit zu geben, Dinge alleine zu meistern. Er ist so dominant in der Produktion, dass ich nun mehr der Künstlerin sein kann und ihn manchmal einfach den Weg führen lasse. Die andere Sache ist, dass für uns beide das Leben nicht dort ist, wo die Arbeit endet und die Beziehung beginnt. Wir haben beide die Philosophie, dass alles alles ist: was man erschafft und die Menschen, mit denen man zusammen ist und was man isst, wo man wohnt, alles ist ein Teil derselben Sache. Viele Menschen, die ein Paar sind und auch zusammen arbeiten, schaffen Grenzen, aber für uns hat alles Einfluss auf alles. Und man muss immer extrem rücksichtsvoll, liebevoll usw. sein, egal in welchem Teil der Beziehung. Bei uns hat es wirklich super funktioniert, vor allem, weil Ori Rousso der tollste Mensch der Welt ist. Ich habe ihm viel zu verdanken.

„Kids“ erschien am 26. März bei City Slang Records.


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