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Paul Stanley im Interview: „Musik hat keine Hautfarbe“


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Als Sänger und Gitarrist seiner Band Kiss hat er sich dem Hardrock verschrieben, aber Paul Stanleys Herz pochte schon immer für den Soul. Mit neuer Backing-Band veröffentlicht er nun mit Paul Stanleys Soul Station sein erstes Soul-Album „Now and Then“. So fällt die Maske – und zum Vorschein kommt eine ganz neue Seite des Rock-Stars. In einem Mix aus neuen eigenen Songs wie „I, Oh I“ oder „O-O-H Child“  und Soul-Klassikern bahnt er sich den Weg in das Genre. Wir haben uns via Zoom mit Paul Stanley unterhalten und nachgefragt, was er zu rassistischen Stereotypen wie „Schwarze singen Soul und Weiße spielen Rock“ zu sagen hat, ob er darüber reflektiert, inwiefern „weißen Rockmusikern“ wie ihm mehr künstlerische Freiheiten zugestanden werden, und welche politische Aufgabe das Genre hat.

Statt Politik thematisiert Stanley lieber allgemeine Wahrheiten

Über die Platte sagt Stanley im Gespräch: „Ich wollte nicht, dass es sich um neu aufgenommene Klassiker handelt, sondern dass sie die Grundlage sind, um uns in die Gegenwart zu führen“. Dass die Soul Station eine wahre Herzensangelegenheit ist, wird bereits nach wenigen Minuten klar. Die Band sei für ihn schon jetzt wie Familie.

Sehen Sie hier Teil 1 des Interviews:

Meist schwingt beim Soul auch eine starke politische Message mit. Statt konkrete Probleme zu benennen, setzt Stanley jedoch lieber auf allgemeine Wahrheiten. „Ich denke, Musik ist zeitloser, wenn sie sich nicht mit Besonderheiten befasst. Ich denke, wenn man Themen und Probleme beim Namen nennt, datiert man etwas und es hat beinahe so etwas wie ein Verfallsdatum. Aber wenn man über Wahrheiten singt (…) singt man über Dinge, die zeitlos sind. Es gibt einen Platz für beides.“

Rassistische Vorurteile in Soul und Rock

Bis heute hält in der Musikindustrie die Segregation von POC und Weißen im Hinblick auf die Musik-Genres, in denen sie sich „zu bewegen haben“, an. So werden Musiker*innen aufgrund ihrer Hautfarbe in Schubladen gesteckt, wie: Soul sei schwarze Musik und Rock wiederum weiße Musik. Dabei wurde doch Rock’n’Roll in den 50ern von Menschen aller Hautfarben und Herkunft gespielt.

Was sagt Paul Stanley zu diesen rassistischen Stereotypen? „Ich glaube nicht, dass Musik eine Hautfarbe hat. Es kommt darauf an: Verstehst du die Absicht, verstehst du, was dahinter steckt?“ Er führt weiter aus: „Musik kommt aus dem Herzen und der Seele. Und man plant sie nicht, man macht sie.“

An dieser Stelle erinnert sich Stanley nicht nur an Ikonen wie Jimi Hendrix und Prince, die sich unabhängig ihrer Hautfarbe durch verschiedene Genres bewegten, sondern erwähnt auch den vergleichsweise noch jungen, weißen Soul-Sänger Allen Stone. Über ihn sagt Stanley: „Er ist so schwarz, wie sie kommen, und so weiß, wie sie kommen.“

Kleine Gesangseinlage

Auf die Frage, ob auch Kiss stark vom Soul beeinflusst wurden, sagt Stanley: „Wir sind ein Produkt unserer Einflüsse, und wenn du nur von einer Art von Musik beeinflusst wirst, wird deine Musik oberflächlich sein.“

Daraufhin singt er uns ein kleines Ständchen, um zu demonstrieren, von welchen Soul-Klassikern auch der ein oder andere Kiss-Hit profitiert habe. Er fordert die Menschen auf: „Kommt aus eurem Schneckenhaus, hört auf, nur eine Art von Musik zu hören! Das ist genauso ungesund, wie nur eine Art von Essen zu essen. Wenn Sie Hamburger lieben, wollen Sie sie zum Frühstück, Mittag- und Abendessen essen? Nein, ich nicht. Da kriegt man Mangelerscheinungen.“

Die neue Platte „Now And Then“ von Paul Stanleys Soul Station ist ab Freitag (19. März) erhältlich.


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