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Oliver Berben kritisiert #allesdichtmachen: Könnte Querdenkern in die Hände spielen


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Kürzlich sorgte eine Aktion von über 50 deutschsprachigen Schauspieler*innen für negative Schlagzeilen: Unter den Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer posteten Prominente Videos, in denen sie ironisch bis satirisch gegen die anhaltenden Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern protestieren. Dabei waren Promis wie Jan Josef Liefers, Meret Becker, Volker Bruch, Heike Makatsch, Wotan Wilke Möhring, Ulrike Folkerts und viele mehr.

#allenichtganzdicht?

In den ein- bis zweiminütigen Clips provozieren sie unter anderem mit überspitzten Aussagen wie denen, dass die Bundesregierung doch bitte die Maßnahmen weiter maximieren solle, weil nur aus solchen Geschichten spannende Filme entstehen würden (Brüggemann).

Die Kritik, die sich die Beteiligten seitdem unter anderem unter dem Hashtag #allenichtganzdicht anhören müssen, ist eindeutig: Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, ihre trotz grundsätzlicher Betroffenheit von den Maßnahmen privilegierte Situation nicht zu erkennen und dadurch die Opfer der Corona-Pandemie und das deutsche Pflegepersonal zu verhöhnen sowie den so genannten Querdenkern und Corona-Leugnern in die Hände zu spielen.

„Satire sollte man den Menschen überlassen, die das auch können“

Auch Filmproduzent Oliver Berben sieht #allesdichtmachen kritisch: „Grundsätzlich finde ich es richtig, wenn verschiedene Positionen geäußert werden. Ich bin mir jedoch nicht sicher, wie durchdacht diese Aktion war“, sagte Berben dem „SPIEGEL“. Die Art und Weise scheine ihm „nicht sonderlich glücklich“.

Berben führt fort: „Man muss dabei im Kopf haben, welche Bewegungen es gibt, die sich diese Gedanken zu eigen machen könnten, angefangen bei den ‚Querdenkern‘. Mir ist auch nicht klar, was das Ziel war: einen Diskurs zu starten? Das hielte ich für Unsinn. Den gibt es doch schon. Jede Zeitung, jede Talkshow führt ihn. Offenbar war die Aktion satirisch gemeint. Aber Satire sollte man den Menschen überlassen, die das auch können.“

Nora Tschirner reagiert: „Unfuckingfassbar“

Gegenwind gab es auch von anderen deutschen Schauspieler*innen: Nora Tschirner etwa kommentierte auf Instagram: „Echt ja, Leude? Was‘ los da? ‚Make cynicism great again‘? Oder wie? Wird’s schon boring im Loft und im Brandenburger Landhaus? Jetzt doch mal raus wagen und n büschn kokeln, weil man sich sonst um die eigene Gefühlsverwaltung kümmern müsste? Joah, kann man machen. Kann halt sein, dass man sich ein büschn schämen wird in nen paar Jahren (Wochen). Unfuckingfassbar.“

Heike Makatsch distanziert sich von #allesdichtmachen

Heike Makatsch nahm ihren Videobeitrag zur heftig kritisierten Aktion #allesdichtmachen offline. Die Schauspielerin hat sich inzwischen auch offiziell distanziert. Sie schreibt in einem Posting: „Ich habe durch Kunst und Satire den Weg gewählt, die Veränderung unserer Gesellschaft aufzuzeigen und Raum zu schaffen, für einen kritischen Diskurs“, schrieb sie auf Instagram mit Blick auf ihr Video, in dem sie ironisch die Corona-Politik kommentiert hatte. „Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst.“

 

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+++ Auszüge aus diesem Artikel erschienen zuerst auf musikexpress.de +++


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