Paul McCartney über „Salesman Saint“ und wie Kriegsresilienz die Beatles formte
Die Musiklegende präsentiert seine neue Single aus dem Soloalbum „The Boys of Dungeon Lane“, das am 29. Mai erscheint.
Paul McCartney war zu Gast im Podcast „The Rest Is History“ und sprach mit Host Tom Holland in einem ausführlichen Gespräch über alles Mögliche – von seinem ersten Song, den er mit 14 kurz nach dem Tod seiner Mutter schrieb, bis hin zu der Frage, wie die Kriegserfahrungen den Geist der Beatles prägten.
McCartney gab außerdem eine Kostprobe seines kommenden Songs „Salesman Saint“ aus seinem neuen Album „The Boys of Dungeon Lane“, das am 29. Mai erscheint. Der Track beginnt bei Minute 8:17 in der unten eingebetteten Episode – und man hört Macca in Erinnerungen schwelgen: „My father was a salesman/ My mother was a saint/ Working every God given minute to make enough to pay the rent/ The way was nearly over/ The peace would soon begin.“
Nachdem er Holland den Ausschnitt vorgespielt hatte, erzählte McCartney von seiner Mutter, ihrer Courage und ihrem Beruf als Hebamme. „Ich habe eine starke Erinnerung an sie“, sagte er und schilderte eine Szene aus einem Winter nach heftigem Schneefall. „Sie wurde zu einer Geburt gerufen – call the midwife – und stieg also auf ihr Fahrrad, weil sie kein Auto hatten. Sie fuhr los durch den tiefen Schnee, in ihrer Uniform, mit einem kleinen Koffer hinten und einem Körbchen vorne. Und ich habe dieses Bild im Gedächtnis, wie sie im Schein der Straßenlaternen durch den Schnee radelt, und ich dachte: Wow, das ist ziemlich mutig.“
Der erste Song mit 14
Er erzählte auch, wie er seinen ersten Song mit 14 schrieb, kurz nachdem seine Mutter gestorben war. „Ich erinnere mich noch, was mich an diesem Song so angesprochen hat. Er hieß ‚I Lost My Little Girl‘, und jemand hat mich darauf hingewiesen, dass meine Mutter kurz zuvor gestorben war. Ein Therapeut würde wahrscheinlich sagen, darum ging es dabei im Grunde. Aber die Gitarre war dein Therapeut.“
An anderer Stelle im Gespräch sprach McCartney darüber, wie das Aufwachsen in Liverpool sowohl seine Kindheit als auch den Geist der Beatles geprägt hat. „Ich glaube, Liverpool hat einen sehr starken Charakter. Mit dem irischen Einfluss und dann der Kriegszeit, in der man fröhlich sein musste, während Bomben fielen – es gab sehr viel Musik, als ich Kind war. Mein Vater spielte zu Hause Klavier. Es wurde viel gewitzelt. Man hielt sich über Wasser, indem man über das Ganze lachte. Und ich glaube, das hat seinen Weg in die Beatles gefunden“, sagte er. „Ich denke, es hat uns einen guten Sinn für Humor gegeben – egal was auf uns zukam, etwa die Ankunft in Amerika, wo die New Yorker Presse bereit war, uns durch den Kakao zu ziehen: Wir haben es ihnen mit gleicher Münze heimgezahlt. Und das verdankten wir unserer Herkunft aus Liverpool.“
„The Boys of Dungeon Lane“, produziert von Andrew Watt, versammelt viele Songs, die auf McCartneys frühe Jahre zurückblicken – darunter einen über seine Freundschaft mit John Lennon mit dem Titel „Home to Us“. (Die Single ist zugleich McCartneys erste gemeinsame Veröffentlichung mit Ringo Starr.) Im März erschien „Days We Left Behind“ – auch dieser Track ist, wie weite Teile des Albums, tief in McCartneys Kindheitserinnerungen verwurzelt. Sogar der Albumtitel ist einem Liedtext dieser Songs entnommen.