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RS-Interview

Peaches: „Ich will, dass wir lachen und unseren Covid-Frust rauslassen!“


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Merrill Nisker ist Musikerin, Produzentin, Electropunk-Provokateurin. Besser bekannt als „Peaches“, meldete sie sich kürzlich mit einer neuen Single und einem surreal humorvollen, frech animierten Video zurück: „Pussy Mask“. Veröffentlicht wurde es über Jack Whites Label „Third Man Records“. Ganz in Peaches‘ Stil tanzen Vaginen durch das Video, deren „Münder“ pandemiegerecht mit Masken verdeckt sind. Sie demonstrieren für mehr Frauenrechte, lehnen sich gegen Coronaleugner-Haltungen auf und verlieren viel Flüssigkeit.

Ihr Song ist eine bissige Auseinandersetzung mit Menschen, die während der Corona-Pandemie Politik gegen Maskenträger*innen machen. Peaches ist nun mal Peaches: Sie nimmt sich Stereotypen und Tabus an, während sie soziale Normen und patriarchale Machtstrukturen in Frage stellt und den Finger in die Wunde legt.

Das Video zu „Pussy Mask“ erhielt eine Altersbeschränkung und ist daher nur auf Youtube anzusehen. (Link)

Squirting, Pussys, Politik

Nachdem die kanadische Künstlerin im vergangenen Jahr unter anderem den Track „Flip This“ veröffentlicht hat, reagiert sie in „Pussy Mask“ nun auf den maskenfeindlichen Diskurs rund um die vergangene US-Präsidentschaftswahl. Dabei scheut sie keinerlei Provokation. In dem von Leah Shore animierten Video treten aber nicht nur Maske tragende Vulven auf, sondern auch der führende US-Experte für Infektionskrankheiten Dr. Anthony Fauci, die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und die im vergangenen Jahr verstorbene Richterin am Obersten Gerichtshof, Ruth Bader Ginsburg.

Im Interview mit ROLLING STONE spricht sie über aktuelle Geschehnisse und erzählt von den Hintergründen zu „Pussy Mask“.

Interview mit Peaches

Peaches, bürgerlich Merrill Nisker, mit uns im Gespräch via Videocall.

ROLLING STONE: Hi Peaches! Wie geht’s Dir, ein paar Tage nach dem Release von „Pussy Mask“?

Peaches: Sehr, sehr gut! Es macht Spaß, mal wieder ein wenig Aufmerksamkeit und Interaktion mit Musik zu haben.

Bei Dir war in letzter Zeit ja einiges los. Mit Dave Grohl hast Du „Fuck The Pain Away“ neu aufgenommen, letztes Jahr Deine Anti-Establishment-Single „Flip This rausgebracht. Und dann kam Corona. Was war Deine erste Reaktion darauf?

Ich wohne ja in Deutschland, in Berlin, und ich dachte mir: Germany, get your things together!

„Pussy Mask“ hast Du zur Zeit des Aufstands gegen das Kapitol geschrieben, der von Anhängern Donald Trumps in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft angezettelt wurde. Den Aufstand erwähnst Du im Liedtext zusammen mit  Fauci, der im Video als Rockstar dargestellt wird. Setzt Du Dich für die Einhaltung der Corona-Regeln ein? 

Das sind nicht nur moralische Regeln. Das sind Realitäten. Wollen wir das Leben so weiterführen, wie es uns gefällt, oder nicht? Es geht um unsere Gesundheit. Es stellt sich mir da keine Frage. Und was Fauci betrifft … Es ist einfach unglaublich, wie schrecklich und respektlos eine Person behandelt wird, die versucht, sich nach allen Regeln der Wissenschaft um diese Pandemie zu kümmern. Die Leute kapieren vieles einfach immer noch nicht. Ich denke mir: Warum halten wir nicht einfach die Klappe und lassen Leute machen, die wissen, wie’s funktioniert?

Screenshot aus dem Video.

Gab es einen Grund, den Song und das Video genau jetzt, während der Pandemie, herauszubringen?

Yeah, absolut. Ich meine, Songs zu machen und für mein Album zu schreiben, ist total schräg, wenn um einen herum eine Pandemie wütet. Man kann nicht nicht darauf reagieren. „Flip This“ war meine erste Antwort darauf: Mach weiter, behalte Deine Power! Als ich dann an weiteren Songs schrieb, kam ich auf die Zeile „My pussy squirts so hard, I have to wear two masks“ oder so ähnlich. Und ich dachte: Das muss jetzt ein Song werden. Ich wollte eine Menge Sorgen beleuchten, aber die Leute auch zum Lachen bringen, gerade jetzt! Ich möchte, dass sich die Leute nicht allein und gestresst fühlen. Dass wir lachen und unseren Covid-Frust rauslassen können. Alles da draußen ist gerade absurd und lächerlich. Also habe ich meine eigene Absurdität eingebracht.

Wenn es um Themen wie Sex, Freiheit oder Politik geht, hältst Du Deine Gedanken selten zurück. In „Pussy Mask“ verbindest Du Themen wie Körperflüssigkeiten mit der Angst vor Tröpfchenübertragung und dem Tragen einer Maske. Warum diese Kombination?

Mir ging vieles durch den Kopf. Der Umgang mit der Pandemie und den Wissenschaftlern, der Aufstand und die Abstimmung im Senat, das Wiederaufkommen der Abtreibungsgesetze und all diese Dinge. Oder Themen wie das Squirten von Frauen und dass diese Themen immer noch zensiert und verschwiegen werden, wie unter einer Maske. Das passte für mich ideal zusammen.

Als Label hast du Jack Whites „Third Man Records“ gewählt?

Ja, wir wollten schon lange miteinander arbeiten. Jetzt hat es sich endlich ergeben. Auch, wenn es vielleicht nicht ganz deren Stil ist, haben beide Seiten Spaß daran.

Dein Video hat Leah Shore gemacht, eine bekannte Regisseurin und Künstlerin aus New York. Wie habt Ihr zueinander gefunden?

Wir haben schon vor ungefähr sechs Jahren zusammengearbeitet. Die Art und Weise, wie sie animiert, ist so, als wäre sie direkt in meinem Gehirn. Wie sie mit meinen Ideen arbeitet, sie zum Leben erweckt. Als ich über dieses Video nachdachte, ergab es einfach Sinn, es mit ihr zu machen. Sie hat die Lyrics sofort verstanden, ihr Storyboard passte perfekt.

Was sind Deine Pläne für die kommende Zeit?

Ich werde jetzt auf eine richtig schöne Art und Weise an meinem Album weiterarbeiten.

Vielen Dank für das Interview, Peaches!

Peaches mit Dave Grohl


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