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Prince: Das Track-by-Track von „Piano and a Microphone 1983“

Für unsere aktuelle Titelgeschichte über Prince haben wir unzählige seiner Weggefährten zur Entstehung des posthum veröffentlichten Klavieralbums „Piano and a Microphone“ befragt.

Lesen Sie das ausführliche „Track by Track“ der Platte.

Track By Track  „Piano and a Microphone 1983“

„17 Days“

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Prince kreiert den Rhythmus fast durch eine Art „Human Beat Boxing“, verleiht der Ballade durch Atem schnelles Tempo. Warum erschien „17 Days“ später nur als B-Seite? „Wegen zeitloser Qualität“, glaubt Toningenieurin Susan Rogers. „Nur, was dringlich war, Politisches wie ‚America‘ oder ‚Sign “O“ The Times‘, musste sofort aufs Album.“ Der Originaltitel lautet: „17 Days (the rain will come down, then U will have 2 choose. If U believe look 2 the dawn and U shall never lose)“.

Kooperation

„Purple Rain“

Nur etwas mehr als zwei Minuten lang, Prince spart das Pathos der live erprobten Hymne aus. Diese zaghafte, nicht weniger schöne Version spielte er auch auf seiner finalen „Piano and a Microphone“-Tour 2016.

„A Case Of You“

In der Frühphase coverte Prince selten andere Künstler live, auf Platte kam das bis in die mittleren 1990er-Jahre überhaupt nicht vor. Wen er 1983 wohl bewunderte, musste man aus seinen eigenen Songs heraushören. Umso wertvoller ist das Joni-Mitchell-Cover aus deren „Blue“-Album. Prince brachte 2002 eine Studioversion heraus.

„Mary Don‘t You Weep“

Das Spiritual wurde im Amerikanischen Bürgerkrieg zur Widerstandshymne der Sklaven. Prince‘ Freundin Jill Jones glaubt, dass er es auch für den Vater sang. „Sein Leben lang suchte Prince den Wettlauf mit ihm, einen erfolgloseren Musiker. Er rebellierte, wurde nie erwachsen.“ Allein der Gedanke an den Vater habe Tagesabläufe auf den Kopf gestellt. Als klar wurde, dass Prince, nicht John L. Nelson das Rennen gewinnen würde, schenkte der Sohn ihm Tantiemen, „die Goldmedaille“. Aber das Verhältnis blieb bis zum Tod des Patriarchen 2001 schwierig. „Prince wuchs in den Sechzigern auf, als Gewalt zur Erziehung gehörte, besonders bei Eltern, die bibeltreu waren.“

„Strange Relationship“

Der Fan-Favorit durchlief etliche Entwicklungen, erschien 1987 auf „Sign „O“ The Times“. Nach der Auflösung seiner Band The Revolution wurde das Andenken an Wendy Melvoin und Lisa Coleman, die den Song 1985 bearbeiteten, nahezu ausradiert. Sie hatten Sitarklänge hinzugefügt, die Prince dann in den Hintergrund mischen ließ.

„International Lover“

Das einzige zum Zeitpunkt der Session bereits veröffentlichte Stück. Der „1999“-Albumsong hatte Prince‘ bis dato vielleicht selbstbewusstesten, vielleicht aber auch nur selbstironischsten Titel. Er arbeitete an seinem Image.

„Wednesday“

Jill Jones sollte den Song auf „Purple Rain“ singen, später flog er vom Soundtrack, ihre Filmrolle wurde drastisch gekürzt. Die Zeile, in der Prince über Selbstmord nachdachte („contemplating suicide“), wurde dann in „contemplating your embrace“ abgeändert. „Mir gefiel ‘Suizid‘“, erzählt Jones. „Aber Prince befand, dass die Figur dadurch zu tragisch geworden wäre. Er hatte auch die Interessen des Filmstudios im Sinn, alle wollten einen Hit.“

„Cold Coffee & Cocaine“

Prince konnte tagelang durcharbeiten, aber sein Umfeld betonte, dass er auf Aufputschmittel verzichtete. Dies war seine Antwort an jene, die glaubten, hinter einer derart hohen Produktivität stecke Drogenkonsum. Er sang mit der kleinlauten „Jamie Starr“-Stimme, die er für Kaspereien nutzte. Das Rollenspiel war eine Vorstufe seines alter ego Camille, jener Mann-Frau, deren Album nie erschien.

„Why The Butterflies“

„Es war eine Überraschung“, erzählte Michael Howe vom „Estate“, der die „Piano and a Microphone“-Kassette entdeckte. „Alle dachten, das Lied hieße ‚Mama‘, weil Prince das Wort so oft sang.“ Aber die Handschrift auf dem Tape verkündete: Schmetterlinge. Es sei ein Irrglauben, befindet Jill Jones, dass Prince Liebeslieder jeweils für nur eine Frau schrieb. „Er führte mehrere Leben. Es war wie im Nebel von Avalon: Prince ging und konnte unerwartet zurückkommen – oder eben nicht.“

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Kritik: The Revolution in Amsterdam – „Our Clothes, Our Hair – We Don't Care!“

Dies ist die wahrscheinlich einzige Band auf der Welt, die zuletzt vor 33 Jahren in Europa gastierte, die auch keinen Song, der jünger ist als 33 Jahre, aufführt, also kein neues Album eingespielt hat, außerdem ohne ihren Anführer unterwegs ist – und die dennoch mit offenen Armen empfangen wird: The Revolution. Das Amsterdamer Paradiso, 1500 Zuschauer passen rein, war schon einen Tag nach Bekanntgabe des Konzerts ausverkauft. Ein Abend in Gedenken an Prince. Die gegenseitige Liebe zwischen Band und niederländischem Publikum hat einen außergewöhnlichen Grund. Die Dankesrede der Gitarristin Wendy Melvoin geht an diesem Abend weit, weit über jene „It's…
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