Die einzige Frau im Cast: Wie Rachel Wolfson zu „Jackass“ kam

Das einzige weibliche Mitglied der Stunt-Crew spricht über ihre schwierige Jugend.

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„Ich blühe unter Außenseitern auf“, sagt Rachel Wolfson.

Es ist ein warmer Maitag im Griffith Park in Los Angeles. Das Café, in dem wir uns getroffen haben, liegt direkt am Anfang eines Wanderwegs. Wolfson – Komikerin, Podcasterin und einziges weibliches Castmitglied von „Jackass“ – sticht inmitten der Gruppen von Frauen in Lululemon-Outfits heraus, die Kinder mit iPads und Limonaden bei Laune halten. Sie trägt enge schwarze Jeans und ein Leopardenprint-Bra-Top, nippt an schwarzem Cold Brew („Ich wähle Gewalt“, hat sie der Barista beim Bestellen trocken hingeworfen) und hat den unebenen Feldweg zu unserem Picknicktisch mit Bravour in Kitten Heels gemeistert. Sie ist groß, schlank und braungebrannt, ihr dunkelbraunes Haar fällt in lockeren Wellen über die Schultern, das Dekolleté mit einem Gewirr aus Ketten geschmückt, ein paar zarte Tattoos ziehen sich ihre Arme hinauf.

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Wolfson, 39, erzählt mir, warum sie gemischte Gefühle gegenüber dem Jahr hat, das sie Anfang der 2000er in einer Reformschule in Provo, Utah, verbracht hat. Es war eine intensive Erfahrung – heute sieht sie es als eine Art Ausbildungslager für brave mormonische Ehefrauen. Die ersten vier Monate weinte sie sich jeden Abend in den Schlaf, als sie mit 17 dort ankam. Aber sie wäre nicht die, die sie heute ist, hätte sie nie diese Schlafsaalböden schrubben müssen – und hätte sie nie die anderen Mädchen kennengelernt, die hinter denselben Mauern gelandet waren. Schließlich führte das alles zu weiteren großartigen Gruppen von Außenseitern: kalifornische Kiffer, die L.A.-Comedy-Szene und schließlich „Jackass“.

Das Ende einer Ära

Am 26. Juni veröffentlichte die Jackass-Crew, angeführt vom unverwechselbaren Johnny Knoxville, ihren fünften – und angeblich letzten – Kinofilm: „Jackass: Best and Last“. „Es ist eine Kombination aus den besten Momenten, vermischt mit ein paar neuen Stunts“, sagt Wolfson. „Aber ich betrachte es wirklich als Liebesbrief an „Jackass“. Ich habe beim Drehen geweint, ich habe danach geweint. Einfach alles verarbeiten. Weil das Ende dieses Franchise für mich fast das Ende meiner Kindheit bedeutet.“

Als ehemaliger Tomboy und selbst ernanntes „Detention-Kid“ aus einer strengen Anwaltsfamilie in Las Vegas war MTV ihr einziges „Fenster zur Kultur“. Jetzt gehört sie selbst dazu. „Einer meiner liebsten Momente im Leben – viele meiner liebsten Momente kamen durch „Jackass““, sagt sie, die Augen feucht. „Aber dieser hier war, als ich Knoxville zum letzten Mal sagen hörte: ‚Hi, I’m Johnny Knoxville. Welcome to Jackass.’“

Als „Jackass“ im Jahr 2000 auf MTV Premiere feierte, war es sofort ein Hit: Die Serie verband die Stars der beliebten „CKY“-Skateboard-Videos – bekannt für ihre halsbrecherischen Stunts – mit einem Prank-Format. Wolfson war damals 13, genau die Zielgruppe. Sie liebte es, Knoxville, Steve-O und den Rest der Truppe dabei zuzusehen, wie sie sich in Einkaufswagen Hügel hinunterstürzten, sich gegenseitig in die Weichteile trafen oder sich gegenseitig zu allgemeinem Chaos verleiten ließen. „Leute beim Verletzen zuzusehen ist für mich ein Ventil“, sagt sie. „Ich finde das einfach so unglaublich komisch.“

Erste Stunts, erste Blamagen

Wolfson und ihre Freunde versuchten die Stunts zu Hause nachzumachen und klauten Einkaufswagen, um sich gegenseitig in Bordsteine zu rammen. „Ich hab mal versucht, meinen Lehrer zu verarschen“, erzählt sie und beschreibt, wie sie mit Unterwäsche auf dem Kopf in den Unterricht marschierte und ihren Lehrer anrempelte – eine Hommage an den berüchtigten Party-Boy-Sketch. „Der Lehrer fand’s nicht so witzig“, gibt Wolfson zu.

Auch ihre Eltern waren wenig begeistert. Als die Highschool zu Ende ging, wussten sie nicht mehr weiter mit ihr. Ihr Selbstwertgefühl war im Keller, sie schlich nachts aus dem Haus; ihre Freunde bewarben sich an Universitäten, aber das schien nicht ihr Weg zu sein. So landete sie in Provo. „Ich habe mein Leben, das, was ich als mein Leben kannte, hinter mir gelassen und befand mich plötzlich in einer Realität, die ich nie gekannt hatte“, sagt sie. „Ich musste mir alles verdienen: Telefonate mit meinen Eltern, das Recht, nach draußen zu gehen.“ Das Gute daran: Sie begann, täglich Tagebuch zu schreiben – Aufzeichnungen, die sie inzwischen wieder hervorgekramt hat. „Dieses Notizbuch hat mir das Leben gerettet“, sagt sie. „Es gibt Momente darin, in denen ich so verletzt bin. Ich fühle mich so verlassen, so abgelehnt, und ich muss es einfach rausschreiben.“

Wolfson macht kein Geheimnis aus ihren Kämpfen

Mit fünf Jahren wurde bei ihr ADHS diagnostiziert, erzählt sie mir, und sie bekam Ritalin. Später, während ihres Studiums – sie würde schließlich drei verschiedene Hochschulen besuchen und einen Master in Marketing an der Lynn University in Florida abschließen – wurde eine Borderline-Persönlichkeitsstörung festgestellt. „Ich war in dialektisch-behavioraler Therapie, immer wieder, und zeitweise habe ich mich selbst verletzt. Und ich habe mich geschlagen“, sagt sie. „Ich erinnere mich, dass ich so tief unten war, dass ich meine Mutter anrief und sagte: ‚Ich informiere mich über Sterbehilfe.‘ So weit war ich.“ Comedy hat ihr geholfen, ihre größten Ängste zu konfrontieren – nämlich Ablehnung und Verlassenwerden: „Das“, sagt sie, „ist so vieles von dem, womit man im Stand-up zu kämpfen hat.“

Vom Tresen auf die Bühne

„Ich war so tief unten, dass ich meine Mutter eines Tages anrief: ‚Ich informiere mich über Sterbehilfe.‘ So weit war ich.“

WOLFSON FING MITTE DER 2010er mit Comedy an, als sie Barkeeperin im Hollywood Improv war. Sie hatte sich bereits einen Namen gemacht, indem sie Cannabis-Memes kreierte, die im Grunde Einzeiler waren („420, was ist Ihr Notfall?“). Barkeeper durften ihren Posten nicht verlassen, um aufzutreten, aber sie fand einen Weg, ihr Stand-up trotzdem bei der Arbeit zu üben. „Ich habe Drinks eingeschenkt, und sie haben mir das Mikrofon für das Open Mic weitergereicht“, erklärt sie. „Alle hatten mir den Rücken zugekehrt, niemand hat mir zugehört.“ Aber sie lernte.

Bis 2020 hatte Wolfson sich in der Comedy-Szene einen Ruf erarbeitet. Ein Clip aus einem ihrer Sets, den sie auf Instagram gestellt hatte, war viral gegangen: „Meine Mutter war die Richterin, die O.J. ins Gefängnis gebracht hat“, sagt sie darin. „O.J. Simpson wurde also von derselben Frau ins Gefängnis geschickt, die mich in mein Zimmer geschickt hat. Aber wir beide sind rausgekommen.“ (Ihre Mutter, Jackie Glass, war tatsächlich die Richterin, die O.J. Simpson 2008 wegen bewaffneten Raubüberfalls verurteilte.) Eines Nachmittags scrollte Wolfson durch ihre DMs und entdeckte eine Nachricht von Knoxville: „Hey, wie ist deine Nummer? Ich will dich etwas fragen.“ Sie war skeptisch, aber der Account war verifiziert. „Er ruft mich an, und er ist es wirklich“, sagt sie. „Ich dachte: Das kann nicht real sein.“

Knoxville blieb vage, sagte aber, er stelle etwas für den 20. Jahrestag von „Jackass“ zusammen – ob sie Lust hätte, dabei zu sein? „Ich bin kurz darauf zu einem Meeting gegangen, das dauerte vielleicht fünf Minuten – wir alle haben offensichtlich ADHS, denn es war einfach: ‚Hättest du Lust, mit uns zu spielen?’“ Im nächsten Moment macht sie einen Testdreh. „Da wusste ich nicht, dass ich im Grunde genommen vorspreche – das war meine erste echte Hollywood-Erfahrung. Ich kam für einen zweitägigen Testdreh, und dann riefen sie mich immer wieder zurück.“

Knoxvilles neues Ensemble

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Insgesamt holte „Jackass“ in dieser Staffel fünf neue Mitglieder dazu. Anfangs war Wolfson nicht sicher, was die Macher in ihr sahen. Sie war zwar sportlich, aber „keine ausgebildete Stunt-Performerin“, wie sie es formuliert. Knoxville war, wie sich herausstellte, auf der Suche nach einer Frau für die Crew. Obwohl viele Frauen für die Jackass-Produktion arbeiten, hatte bislang nur eine einzige an einem Stunt mitgewirkt – Stephanie Hodge, die 2001 bei einem Dreh so schwer verletzt wurde, dass die Aufnahmen nie ausgestrahlt wurden. Danach bestand Knoxville darauf, dass Frauen beim Verletzen einfach nicht komisch seien. Aber das war zwei Jahrzehnte her, und die Zeiten hatten sich geändert. Er brauchte eine Frau, um die neuen Rekruten zu vervollständigen, und Wolfson passte mit ihrer Kumpel-Attitüde und ihrem tiefen Wissen über das Franchise perfekt. Knoxville selbst sagte ROLLING STONE Anfang des Jahres, dass es ihr Schneid war, der ihn beeindruckte. „Wir machen Dinge mit ihr, über die der Rest der Jungs schreien würde“, sagte er. „Aber sie ist einfach so: ‚Na und.‘ Sie ist schlicht ein bisschen zäher als wir, das will ich damit sagen.“

Wolfson sagte zu allem Ja

Das Projekt entpuppte sich als Kinofilm, der 2022 als „Jackass Forever“ erschien. Er wurde über mehrere Monate gedreht, das Cast pitchte neue Bits in Zoom-Meetings, und Wolfson reiste regelmäßig von Austin, wo sie damals lebte, nach L.A., wo Jackass dreht. Wolfson sagte zu allem Ja, worum sie gebeten wurde – größtenteils war sie Teil der „Peanut Gallery“, absolvierte aber auch zwei körperliche Stunts: eine Taser-Zunge lecken, verkleidet als Mime, mit strikter Anweisung, keinen Laut von sich zu geben; und „Skorpion-Botox“ – sprich: ein Skorpion stach ihr so lange in die Lippen, bis sie anschwollen. Sie hätte gerne mehr gemacht, sagt sie, aber Jeff Tremaine, „Jackass“-Miterfinder und Produzent, hielt sie manchmal von Stunts ab, für die sie nicht geeignet schien. (Wie sie es ausdrückt, war der Film „sehr penislastig“.) „Ich habe bei ihnen eigentlich keine Grenze, die ich nicht überschreiten würde, weil ich ihnen sofort mein Leben anvertraue“, sagt sie. „Es klingt seltsam, das laut auszusprechen: ‚Ich vertraue Johnny Knoxville mein Leben an.‘ Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist.“

Eine Idee, die sie einbrachte – Zach Sashimi genannt –, schaffte es in den Outtake-Film „Jackass 4.5“. Darin werden Stücke rohen Fischs in die Falten, Ritzen und Winkel der Haut von Zach Holmes gesteckt, einem anderen der neuen Castmitglieder, der ein stattlicher Mann ist. (Das ist „Jackass“. Man kann sich vorstellen, wo.) Er wird dann in Frischhaltefolie gewickelt und in der Sonne gegart; danach verfüttern die anderen Castmitglieder ihm den Fisch. „Das wurde irgendwo als eines der ekelhaftesten Stücke Filmgeschichte aller Zeiten gewählt“, sagt sie stolz. „Ja, das Bit habe ich geschrieben.“

Familienangelegenheiten

Als „Jackass Forever“ herauskam, nahm Wolfson ihre Eltern zur Premiere mit. Anfangs waren sie skeptisch gegenüber ihrem neuen Job – „Meine Mutter hatte schlimmste Angstzustände nach dem ersten Tag“, erzählte sie Knoxville in einem Stück für „Interview“ im Jahr 2022. „Sie rief mich an, sobald ich das Set verlassen hatte: ‚Was ist passiert? Geht’s dir gut? Haben sie dir irgendwas in den Hintern gesteckt?’“ Aber sie kamen damit klar, als sie sahen, welche Freude es ihrer älteren Tochter bereitete. Klar, sie war nicht wie ihre kleine Schwester Jura studieren gegangen – die inzwischen selbst Richterin geworden ist –, aber zumindest glänzte sie in ihrem gewählten Beruf. „Mein Vater sagte danach: ‚Hat mir gefallen, hat mich die ganze Zeit bei der Stange gehalten, ich bin nicht eingeschlafen’“, erzählt sie. „Das war für mich ein Sieg.“ (Ihr Vater, das sei der Vollständigkeit halber erwähnt, ist Steven B. Wolfson, der amtierende Bezirksstaatsanwalt von Las Vegas.)

„Ich habe bei ihnen keine Grenze, die ich nicht überschreiten würde. Ich vertraue Johnny Knoxville mein Leben an.“

Nicht alle reagierten so wohlwollend auf Wolfsons Aufnahme in „Jackass“; unvermeidlich begannen nach dem Filmstart die misogynen Trolle zu kommentieren. „Ich werde das bereuen, aber ich bin der Che Diaz von „Jackass““, witzelt sie und bezieht sich auf den polarisierenden nicht-binären Charakter, den Sara Ramirez im „Sex and the City“-Reboot „And Just Like That…“ spielt. Sie verstand, wo die Fans herkamen – eine neue Riege von Komikern in ein eingespieltes Ensemble zu bringen, kann sich anfühlen wie Pfusch an etwas Perfektem. „Ich dachte: ‚Ich muss mich beweisen‘ – aber dann überlegte ich: ‚Wie soll ich mich beweisen, wenn die das seit 25 Jahren machen und ich erst seit ein paar Jahren dabei bin?’“, sagt sie. „Ich lasse mich manchmal zu sehr davon leiten, was die Fans denken, weil ich selbst zuerst Fan bin.“

Ihre besten Stunts

WOLFSON KANN NICHT SAGEN, welche ihrer Stunts es in „Best and Last“ geschafft haben – denn als wir sprechen, hat sie den Schnitt noch nicht gesehen. Sie erzählt mir grobe Details zu einem Bit, das sie gedreht haben: Sie und Sean „Poopies“ McInerney, ein weiteres neueres Castmitglied, werden in einen einzigen Neoprenanzug gesteckt, wobei Wolfson die „große Löffel“-Position einnimmt. (Er furzte sofort – „Ich hatte das Gefühl, von Poopies markiert worden zu sein“, witzelt sie.) Dann wurden sie auf einem Balken am Hang platziert, von dem sie natürlich herunterstürzten, wobei McInerney auf ihr landete. „Und dann machen wir es nochmal. Poopies fällt runter, landet auf meinem Rücken, und ich schlage mit dem Kopf auf“, sagt sie. „An dem Punkt war klar: Wir haben den Witz. Wir müssen nicht weitermachen.“ Sie kam mit einer geprellten Rippe davon.

Schmerzhafter als jede Verletzung

Schlimmer als die eigentliche Verletzung war jedoch, dass sie dadurch aus einem anderen Stunt herausgenommen wurde, auf den sie sich vorbereitet hatte. Knoxville hatte Wolfson gefragt, ob sie bei einer Neuauflage von „The High Five“ mitmachen wolle – einem Bit aus „Jackass 3D“ von 2010, bei dem eine riesige Hand Castmitglieder zu Boden schlägt. Aber ihre Verletzung machte das unmöglich. „Ich ging zu Knoxville und sagte ihm, wie viel es mir bedeutet hätte, dass er mich so etwas machen lassen wollte“, sagt sie. „In diesem Moment wurde mir klar: Nicht die Hand abbekommen zu können, war schmerzhafter als alles andere.“

Ein paar Wochen nach unserem Kaffee unter den L.A.-Müttern treffen wir uns in einer Bar in Highland Park, einem angesagten, aber ruhigen Viertel auf der Ostseite der Stadt. Heute Abend tritt sie hier auf, als Teil des Popular Kids‘ Club, einer wechselnden Comedy-Night, die eine Mischung aus großen und kleineren Namen präsentiert. Vor ihrem Set sitzt sie im Hinterhof und dreht einen Blunt. Vor ein paar Jahren hatte sie beschlossen, mit dem Kiffen aufzuhören, um den Kopf freizubekommen. Als Ersatz griff sie zu Alkohol und Zigaretten, und etwa ein Jahr nach dem Wechsel fand sie sich bei der Beerdigung ihres Großvaters wieder, wie sie mit Familienmitgliedern Shots kippte. „Ich dachte: Das mag ich nicht“, erinnert sie sich. „Ich mag nicht, wer ich dabei bin. Das will ich nicht sein.“ Kurz darauf fing sie wieder an zu rauchen. „Ich fühlte mich viel mehr wie ich selbst“, sagt sie. „Und ich spürte, wie die Kreativität zurückkam.“ (Sie steht kurz davor, gemeinsam mit ihrer Freundin Olivia Sawyer von der Marke Kush Queen eine eigene Cannabis-Linie zu launchen.)

Heute geht es ihr besser

Heutzutage ist Wolfson in besserer Verfassung – körperlich wie mental – als seit Langem. Sie ist frisch Single und gerade dabei, zurück nach L.A. zu ziehen. „Die Leute sagen: ‚Die nimmt Ozempic’“, erzählt sie. „Aber nein, tue ich nicht. Ich habe die Pille abgesetzt, habe aufgehört zu trinken – da schaue ich zu Steve-O auf.“ (Steve-O, bekannt für frühe Stunts wie einen Wodka-Infusionstropf, wurde 2008 nüchtern.) „Weil ich die richtige Medikation gefunden habe, die für mich funktioniert. Ich gehe in Therapie. Ich hebe Gewichte.“ Diese Balance hat ihr eine neue geistige Klarheit gebracht. „Jahrelang hatte ich so etwas wie einen Dämon in meinem Kopf. Man spricht davon – der böse Mitbewohner. In den letzten Jahren höre ich diese Stimme gar nicht mehr. Alles, was ich in meinem Kopf höre, ist wie mein eigener bester Freund. Einfach jemand, der sanft und beruhigend ist.“

Chosen Family und neue Kapitel

„Jackass“ hat Wolfson auch dabei geholfen, einige ihrer komplexen Gefühle zu verarbeiten. Das Franchise mag zu Ende gehen, aber das Netz, das sie mit dieser neuen Wahlfamilie aufgebaut hat, hält. Nach dem ersten Film blieb sie nicht nur mit den Neuen in Kontakt – Zach, Poopies, Dark Shark und Jasper –, sondern auch mit einigen der alten Garde, wie Preston Lacy, Dave England und Ehren McGhehey. „Wenn Steve-O nach Austin kommt, habe ich als Vorband für ihn gespielt. Ich versuche immer, ihn zu sehen“, sagt sie. „Dabei schätze ich jede Zeit, die ich mit ihnen verbringen kann, weil ich dabei Geschichten höre und alles fragen kann, was ich will. Ich weiß nicht, ob sie verstehen, wie viel mir das bedeutet.“

Mit dem Ende von „Jackass“ denkt Wolfson ihre Erfahrungen in der Reformschule neu durch und fragt sich, ob sie den Schmerz in etwas Positives verwandeln kann. Bislang hat sie eine Folge ihres Podcasts „Rachel Interrupted“ mit ihrer Freundin und ehemaligen Provo-Mitschülerin Amanda Phaelen aufgenommen. Aber es in ihr Stand-up einzubauen, liegt noch außer Reichweite – zumindest vorerst.

Crowd Work

Als Wolfson die Bühne betritt, beginnt sie mit Crowd Work und fragt einen der rund zwölf Zuschauer, was er beruflich macht. Als er sagt, er arbeite an einem Junior College, tut sie so, als wüsste sie nicht genau, was das ist – um dann zuzugeben, dass sie selbst auch auf einem war. Einen Moment lang denke ich, sie könnte das als Einstieg nutzen, um zu erklären, wie sie überhaupt dort gelandet ist – nach der Provo-Schule verbrachte sie ein paar Jahre an einer kleinen Hochschule in Vermont, die auf Studierende mit Lernschwierigkeiten spezialisiert war –, aber sie schwenkt schnell auf sichereres Terrain um: beiläufige Beleidigungen in Texas, Trans-Kinder und Perimenopause. Aber die Räder drehen sich. Irgendwann, hoffentlich bald, wird die Konfrontation mit dieser Vergangenheit weniger wehtun als eine geprellte Rippe.

Elisabeth Garber-Paul schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

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