Radiohead: Das Comeback des Ed O’Brien und acht weitere Highlights
Radiohead starten in Madrid ihre Europa-Tour 2025 mit neuer Rundbühne, Ed O’Briens Rückkehr und spektakulärer Live-Energie.
Radiohead-Fans fieberten bereits lange auf diesen Abend hin: Am 4. November 2025 kehrten Thom Yorke, Jonny Greenwood, Ed O’Brien, Colin Greenwood und Phil Selway endlich wieder gemeinsam auf die Bühne zurück.
In der Movistar Arena in Madrid spielte die Band das erste Konzert ihrer großen Europa-Tournee 2025, die insgesamt 20 Shows in fünf Städten umfasst – Madrid, Bologna, London, Kopenhagen und Berlin.
Nach sieben Jahren Live-Pause präsentierte sich die Band erstmals mit neuem Drummer Chris Vatalaro an Phil Selways Seite.
Radiohead: So war der Abend in Madrid
Das Publikum in Madrid erlebte eine zweistündige Reise durch drei Jahrzehnte Bandgeschichte: von den Hymnen der „OK Computer“-Ära über „Kid A“ bis zu „A Moon Shaped Pool“. Insgesamt spielten Radiohead 25 Songs, verteilt auf acht Studioalben: 6 Songs von „Hail to the Thief“, 6 von „OK Computer“, 4 von „In Rainbows“, 4 von „Kid A“, 2 von „A Moon Shaped Pool“ sowie je 1 Song von „Amnesiac“, „The Bends“ und „The King of Limbs“.
Eröffnet wurde die Show mit „Let Down“ vom Album „OK Computer“. Danach folgten „2 + 2 = 5“ und „Sit Down. Stand Up.“, letzterer erstmals live seit 2004. An Hits mangelte es natürlich nicht: „No Surprises“, „Weird Fishes/Arpeggi“, „Everything in Its Right Place“, „Paranoid Android“ und „Karma Police“ ließen die Arena beben – einzig auf „Creep“ hatten Yorke und Co. wie gewohnt keine Lust.
Die Zugabe umfasste sieben Songs und begann mit „Fake Plastic Trees“, gefolgt von „Subterranean Homesick Alien“, das erstmals seit 2017 live gespielt wurde. Anschließend folgten „Paranoid Android“, „How to Disappear Completely“, „You and Whose Army?“ und „There There“. Den Abschluss des Abends bildete „Karma Police“ als finales Stück.
Neben dem neuen Live-Drummer Chris Vatalaro, der Urmitglied Phil Selway live am Schlagzeug unterstützt, haben Radiohead erstmals in ihrer Karriere eine Rundbühne präsentiert. Aber es gab auch weitere Überraschungen. Im Folgenden ein Überblick.
1. Ed O‘ Brien rückt in den Vordergrund
Für Noel Gallagher ist er nur „der lange Mann in der Gitarre, der weiß Gott was tut“, aber auch bei Radiohead gilt Ed O’Brien als Nummer zwei hinter „Mastermind“ Jonny Greenwood, der für Experimente zuständig ist. Manche Fans bemängelten in Madrid, dass O‘ Briens Mikrofon zu tief aufgebaut sei. Andere hingegen verwiesen auf seine Dominanz gerade beim Eröffnungssong „Let Down“. Der Gitarrist intonierte zu Thom Yorkes Gesang die „one day I am gonna grow wings”-Zeile – ein Arrangement wie in der Studio-Version des „OK Computer“-Lieds. Es wird oft vergessen, wie gut Ed O’Brien als Co-Sänger ist.
2. No Surprises: Die Setlist
65 Songs, erzählte Colin Greenwood, habe die Band einstudiert. Ein Blick auf die Setlist des 25-Songs-Konzerts mutet an wie eine Best of, die auch insofern nicht überraschend ist, dass „Creep“ gefehlt hat. Radiohead dürften die einzige Superstar-Band der Welt sein, die ihren größten Hit hasst.
Würde man 2018 einen Radiohead-Fan auffordern: Erstelle eine Setlist mit den „wichtigsten“ Stücken, auf die sich alle einigen können, „Fake Plastic Trees“ wäre genauso dabei wie „Paranoid Android“ und „Everything in its right Place“. Wie wäre es mal gewesen, Radiohead performen „Bullet Proof … I wish I was“, „Electioneering“ oder „Faust Arp“? Das wäre Fan-Service einer Band, die wirklich nichts mehr zu verlieren hat. Aber: abwarten. 19 Konzerte stehen ja noch aus.
3. Die Sicht auf die Rundbühne
Die US-Kollegen vom ROLLING STONE vermelden: Der Videobildschirm war in Felder unterteilt, die sich während der gesamten Show auf und ab bewegten und immer einen großen Teil der Bühne verdeckten. Das machte es manchmal schwierig, die Band zu sehen. Yorke achtete darauf, ständig seine Position zu wechseln, damit jeder in der Arena einen Blick auf ihn werfen konnte.
4. Thom Yorke hat das Tanzen nicht verlernt
Es war eine Freude, diese Bewegungen nach so vielen Jahren wieder zu sehen, sei es, wie Yorke während „Ful Stop“ sein Keyboard umklammerte oder während „The Gloaming“ mit den Armen durch unsichtbares Wasser watete und in seinen Turnschuhen wie ein wildes, begeistertes Kind herumhüpfte.
5. Geheiligt sei der Dieb
Sechs Songs haben Radiohead aus ihrem 2003er-Album „Hail To The Thief“ gespielt. Genauso viele wie aus ihrem Klassiker „OK Computer“. „Hail To The Thief“ wurde unlängst als Live-Album veröffentlicht – vielleicht will die Band nun auf der Bühne daran erinnern. Die Platte richtete sich damals gegen George W. Bush. Vielleicht sind diese alten Lieder nun ein Kommentar gegen den neuen POTUS?
6. Bruderliebe
Die beiden Greenwood-Brüder Jonny und Colin stehen sich während „Bodysnatchers“ gegenüber, und Colin strahlt.
7. Frieden mit der Vergangenheit
Nochmal „Let Down“: In einem Interview sagte Ed O’Brien, dass er um den Einbezug des Songs in die „OK Computer“-Tracklist kämpfen musste. Yorke habe das Lied nicht gemocht. Nun eröffnete es ihr Comeback-Konzert. Diese Band ist mit sich wieder im Reinen.
8. Kein Mann der großen Worte
„Fair enough“ sagte Yorke zu Beginn der Zugaben mit „Fake Plastic Trees“.
9. Comedy Man
Bei „You and Whose Army?“ wieder die gewohnte Kameraeinstellung an Yorke am Piano: ganz dicht am Gesicht.