Rage Against The X Factor: der Kampf um Englands Weihnachts-Nr. 1


von

Was ist bloß aus der Sache mit der „Christmas Number One“ in England geworden? War das bewusst als Spektakel inszenierte Rennen um die Chartkrone zur Weihnachtszeit einmal von großen Namen geprägt wie den Beatles (zum ersten Mal 1963 im „I Want To Hold Your Hand“, zuletzt 1967 mit „Hello, Goodbye“), Tom Jones (1966 mit „Green Green Grass Of Home“), Pink Floyd (1979 mit „Another Brick In The Wall, Part 2“), Human League („Don’t You Want Me“, 1981), Queen (gleich zweimal, nämlich 1975 und 1991 mit „Bohemian Rhapsody“) oder den Allstars von Band Aid (1984 im Original mit „Do They Know It’s Christmas“, 2004 mit der Jubiläumsneuaufnahme) – sind diese Glanzzeiten spätestens seit „The X Factor“ vorbei. Denn diese Sendung, die das englische Äquivalent zu „Deutschland sucht den Superstar“ ist, hat gleich in den letzten vier Jahren die Nummer 1 hervorgebracht. Die Kandidaten dazu hießen: Shayne Ward, Leona Lewis, Leon Jackson und Alexandre Burke. Ein cleverer Schachzug der Produzenten, dass das Finale immer wenige Wochen vor Weihnachten steigt.

Aus genau diesem Grunde hat sich im Internet Widerstand formiert: Eine Facebook-Gruppe namens „Rage Against The X Factor“ ruft dazu auf, den Song „Killing In The Name Of“ käuflich zu erwerben, um Rage Against The Machine so über die Downloadverkäufe an die Chartspitze zu bringen, und die aktuelle X-Factor-Ausgeburt Joe McElderry mit seiner Ballade „The Climb“ auf Platz zwei zu verweisen. Die Gruppe schreibt dazu: „Habt ihr auch die Schnauze voll, dass schon wieder eine X-Factor-Single gewinnt? Wir auch! Also tun wir etwas dagegen!“ Und was würde sich da besser empfehlen, als der plakative Polit-Crossover von Rage Against The Machine. Um es den Gruppenteilnehmern besonders leicht zu machen, wurde auch gleich zu den relevanten Online-Stores verlinkt. Zum jetzigen Zeitpunkt stehen bei iTunes und im Amazon-Shop RATM auf Platz 1.

Nun äußerte sich auch RATM-Gitarrist Tom Morello via Twitter dazu: „Rage Against The Machine und die blöde X-Factor-Single liefern sich gerade ein Kopf an Kopf-Rennen im UK. England, das ist deine Zeit!“ Der X Factor-Juror Simon Cowell sieht die Aktion dagegen ein wenig unsportlicher. Er nannte sie „zynisch“ und schlichtweg „blöde“.

Als kleine Entscheidungshilfe, hier noch mal die Videos der Kandidaten:

vs.