Frauen-EM vs Männer-WM: Deutschlands Fußball-Doppelmoral

Keine Fanmeile, kaum Public Viewing – zur Frauen-EM 2025 blieben Fans zuhause. Zur Männer-WM 2026 ist plötzlich alles möglich. Warum diese Doppelmoral?

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Die Euphorie liegt schon seit einigen Wochen in der Luft, bereit, sich am nächsten Donnerstag zum ersten Anstoß der Fußballweltmeisterschaft 2026 zu entladen. Dann heißt es wieder: Ausnahmezustand in unserem ballverrückten Land. Wer ruhig schlafen will, sollte Oropax bereithalten: Durch die Zeitverschiebung nach Amerika kommt es zu Anstoßzeiten bis tief in die Nacht – teils um 3 oder 4 Uhr. Doch die Begeisterung für den Ball gilt für viele nur, wenn er von einem Männerfuß gekickt wird. Kann man dem Männerfußball wirklich alles verzeihen – und die Frauen müssen zurückstecken?

Frauen-EM 2025: Weniger Public Viewing

Keine Fanmeile in Berlin, kaum Public Viewing, manche Kommunen vergaben keine Ausnahmegenehmigungen für Spiele: Die Frauen-EM 2025 verlief ganz anders als Herren-EMs und -WMs. Man soll das nicht vergleichen – ist ja laut mancher bösen Zungen nicht einmal derselbe Sport. Dennoch lässt sich kaum darüber hinwegsehen, wie unterschiedlich die Frauen-EM im Vergleich zur letzten Männer-EM vor zwei Jahren gehandhabt wurde. Und das, obwohl 5 Millionen TV-Zuschauer bei der EM 2025 die Euphorie für Frauensport bereits deutlich angeheizt hatten.

Kommunen entscheiden: Wer darf jubeln und wann?

Zu großen Sportveranstaltungen – dazu gehören Frauen- wie Männerfußballmeisterschaften – lockert die Bundesregierung die Lärmschutzregelungen. Nur dadurch ist es möglich, dass Spiele bis nach 22 Uhr unter freiem Himmel geschaut und bejubelt werden. Die Regelung ist allerdings lediglich ein Angebot: Kommunen und zuständige Behörden behalten die Entscheidungsfreiheit darüber, wann und wo Public Viewing stattfindet. Trotz Erlaubnis des Bundes haben sie stets die Möglichkeit, „Nein“ zu sagen. Und das tun sie – nur deutlich seltener bei Männerspielen als bei Frauenspielen.

So zum Beispiel im schwäbischen Tübingen: Zur Frauen-EM 2025 war es einem Gastronomen nicht erlaubt, die deutsche Mannschaft zu später Stunde zu zeigen. Ausnahmeregelungen wurden von der Stadt verweigert – während 2024 bei den Herren noch mitten in den Straßen der Altstadt mitgefiebert wurde. Als Begründung diente eine angeblich zu geringe Nachfrage und Lärmbelästigung. Dabei war die Nachfrage durchaus vorhanden: Auf das Public-Viewing-Verbot folgte eine Petition vieler enttäuschter Tübinger, die bei den Sportevents gemeinsam anfeuern wollten.

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Zur Männer-WM ist alles möglich – und zur Frauen-WM?

Während in diesem Sommer also die ganze Nacht durchgefeiert werden darf, musste im Jahr davor die Lautstärke heruntergedreht werden. Die Doppelmoral des deutschen Fußballs könnte nicht eindeutiger sein. Eines ist klar: Die Nachfrage nach Public Viewing wird zur Männer-WM wieder explodieren. Damit sind sogar Liveübertragungen aus den USA bis tief in die Nacht theoretisch möglich. Man darf hoffen, dass die Akzeptanz gegenüber nächtlichem Jubel zur Frauen-WM 2027 in Brasilien ebenso groß sein wird.