Review: „The Walking Dead“, Staffel 7, Folge 9: Das Gähnen geht vorerst weiter


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Vorspann-Faustregel bei „The Walking Dead“: Wann immer eine Figur darin Großes ankündigt, wird meistens etwas Kleines daraus. Dampfplauderei. Wer erinnert sich noch an Sasha, die einst (Season 5?) zu dramatisch anschwellender Musik ankündigte: „Come and Get Me!“ und sich in Schießübungen versuchte? Führte ins Nichts. Oder in der jüngsten Staffel Michonne: Die machte sich alleine auf den Weg um zu Negan zu töten – verlor sich dann aber in einem Gespräch mit einer gekidnappten Beifahrerin, tötete die Beifahrerin schließlich und kehrte am Ende der Episode in die Arme von Rick zurück. Also: Lieferte von Anfang bis Ende einen ergebnislosen, nie wieder nützlichen Handlungsstrang.

Als neue Michonne bietet sich der liebe Priester Gabriel Stokes an. Gabriel Stokes ist so etwas wie der Inspektor Clouseau, oder, noch besser: der Hrundi V. Bakshi von „The Walking Dead“. Immer aufrichtig, immer das Beste im Sinn, aber jede Handlung endete in unfreiwillig komischen Vollkatastrophen. Einst führte Gabriel im vielleicht trotteligsten Spaziergang der Serie eine Horde von Zombies zu seiner zuvor sicheren Kirche; später ließ er das Tor zur scharf bewachten Stadt Alexandria offen – freier Einlass für die Untoten. Inzwischen bangt man nicht mehr um Gabriel, man bangt, dass er keinen Mist verzapft. So war seine Figur ganz sicher nicht angelegt.

„The Walking Dead“: Was will Gabriel Stokes?

Gabriel kämpft mit seinem Glauben, und im Vorspann zur aktuellen Episode „Rock On The Road“ (Staffel sieben, Folge neun) macht er sich, im Dunkeln und schwer bewaffnet, zu einer noch unbekannten Mission auf. Folgt diese Dramaturgie der etablierten, dann kommt der Priester bald wieder zu Ricks Gruppe zurück, natürlich mit leeren Händen. Weil sich aber in den vergangenen acht Episoden so viele Motivationen der Hauptfiguren versandet haben, wüsste man schon gar nicht mehr, was genau ihn eigentlich plagt. Will er Negan töten, will er irgendetwas gut machen?

Der erste Teil von Season sieben stand völlig zu Recht in der Kritik, weil sich einzelne Episoden auf unterschiedliche Charaktere konzentrierten, aber keinerlei Zusammenhang zwischen ihnen erkennbar war. Nun haben wir endlich wieder fast alle Helden beisammen. Rick, Carl, Carls Freundin, Sasha, Michonne, Maggie, Daryl „Hundefutter“ Dixon, Rosita, Jesus, Morgan, Aaron. Nur noch Eugene und Carol fehlen. Trotzdem gibt das Anlass zur Hoffnung, denn nun steht einer halbwegs vereinten Konfrontation mit Negan nichts mehr im Wege. Darauf fieberten schließlich alle Fans hin.

Rick und sein Team diskutieren in dieser Episode ihr größtes Problem weiter: Die Rebellion gegen Negan steht bevor, aber die Manpower fehlt. Der Cliffhanger am Ende – sie werden von unbekannten, aber nicht feindlich gesinnten Fremden umringt – endet mit einem Lächeln auf Ricks Gesicht. Demnach haben sie ihre Verstärkung schon gefunden. Typisch „Walking Dead“ – also typisch „Walking Dead“, die Serie, nicht das Comic. Probleme werden nicht innerhalb der bestehenden Gruppe gelöst, durch Dialog und Idee. Sondern es wird, fast schon wie eine Deus ex machina, von außen magisch Hilfe herbeigeholt. Dieser Kniff ist eine klare Story-Schwäche.

Zombie-Attacken jedenfalls sind nicht mehr das Problem von „The Walking Dead“. Das kann man bedauern, aber auch als Zeichen des Selbstbewusstseins der Autoren lesen. Die Untoten sind zum Gimmick geworden, das möglichst kreativ eingesetzt wird. In dieser Folge wird eine ganze Horde per gespanntem Drahtseil, befestigt an zwei fahrenden Autos, hüftabwärts halbiert. Hat keinerlei Nutzen für die Handlung. Aber sieht gut aus.