Serie der Woche: „High Stakes“
In der Tradition von Pokerfilmen wie "Cincinnati Kid", aber mit einem gesellschaftspolitischen Twist ...
„Noch ein Spiel, und wir sind frei!“, sagt Vincent. „Haben wir ’nen Deal oder willst du, dass ich die zerstöre?“, sagt Cornel. Und Nina, die eigentlich Ayla heißt, sagt gar nichts, setzt sich an den Pokertisch und spielt die Femme fatale und um ihr Leben. Die Dramedy-Thriller-Serie „High Stakes“ erzählt in sechs Episoden, wie es dazu kommen konnte, dass eine gläubige Muslimin wie Ayla (Via Jikeli) in einem Glücksspiel-Krieg zwischen die Fronten gerät. Denn die 25-Jährige träumt eigentlich davon, die erste Frau mit Kopftuch zu sein, die ins All fliegt. Sie hätte auch das Zeug dazu, hat einen Super-Abschluss in Astrophysik an der Uni Heidelberg gemacht und eine Zusage für ein Praktikum bei der NASA bekommen.
Doch um dieses antreten zu können, braucht sie Geld – viel Geld. Und auf einmal ist da Vincent (Jannik Schümann). Der ehemalige Poker-Profi entdeckt ihr Talent beim Texas Hold’em. Fördert sie. Überredet sie aber auch dazu, weiterzuspielen, als sie längst genug gewonnen hätte.
Natürlich steht „High Stakes“ in der Tradition von Pokerfilmen wie „The Cincinnati Kid“, „Rounders“, „21“ oder „Molly’s Game“. Doch manchmal ist hier der Mauerblümchen-wird-Poker-Ass-Plot gar nicht so wichtig. Denn in der ersten deutschen Pokerserie zeigt Showrunner Orkun Ertener vor allem auch ein anderes Bild des muslimischen Glaubens, als man es sonst aus dem deutschen Fernsehen kennt. Etwa wenn es um Aylas Bruder Tolga (Eren Kavukoğlu) geht, der eine Dating-Plattform speziell für Muslim:innen an den Start bringen will, bei der Strenggläubige ebenso fündig werden wie schwule Männer – wie Tolga selbst. Oder wenn die Serie ausführlich davon erzählt, warum für Ayla Glaube und Wissenschaft kein Widerspruch sind, sondern zwei Konzepte, die sich ergänzen. (ZDF Mediathek)