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ABC The Lexicon Of Love II

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ABC: „The Lexicon Of Love II“

Alles schäumt und quillt und überschlägt sich. Die Geigen fliegen, die Refrains eilen zum Himmel. Über allem Martin Frys noch immer aristokratische, sanft vibrierende Stimme, als schmölze ein After-Eight-Täfelchen auf seiner Zunge. Kann sich Teil zwei tatsächlich am ersten Teil des „Lexicon Of Love“, jenes überschwänglichsten des an überschwänglichen Popalben nicht armen Jahrgangs ’82, messen lassen?

Als die Platte erschien, war Fry Anfang 20. Er trug silberne Lurex­anzüge, eine schwungvolle Tolle und ein schmallippiges Lächeln. Er sang: „I know what’s good, but I know what trash is/ I know democracy, but I know what’s fascist.“ Er saß auf einer Pappmaschee­wolke, und wenn Fry von Liebe sang, rief er im Re­frain: „Yippie yah, yippie yah, yeeehe.“ Er war leidenschaftlich, elegant und tadellos wie kein anderer britischer Popstar der frühen 80er-Jahre. Vergleichbar nur mit Smokey Robinson.

Den Blueprint des heute klassischen Originals haben ABC als feine Haut über das neue Album gestülpt, Anne Dudley arrangierte wie schon 1982 das Orchester, und natürlich klingt das 34 Jahre später mitunter etwas formelhaft und zu dick aufgetragen, wenn Fry von „burning in flames of desire“ singt und das „desire“ so hoch wuchtet, dass er den schönen Refrain damit ein bisschen verbonnietylert. Bei „­Viva Love“ funktioniert alles, ein nach ’82er Schnittmuster inszenierter Hit. (Im Video taucht Fry sekundenlang im Opern­publikum auf, während sein jugendliches ­Alter Ego in Goldlamé auf der Bühne steht oder Sushi von einem iPad isst, auf dem gerade ein altes ABC-Video läuft.)

An anderer Stelle, bei „I Believe In Love“, bewegen sich ABC von ihrem Debüt­album weg, es hätte glatt auf „Beauty Stab“, das ihre Karriere killende zweite („Rock“-)Album, gepasst. Im hübsch zurückgenommenen „Brighter Than The Sun“ gibt Martin Fry den Endfünfziger, der er heute ist: „I’m a man out of time trapped in rewind.“ So seufzt er nicht allein in diesen retroseligen Tagen.

Doch die Fortsetzung des „­Lexicon Of Love“ ist unverhofft gelungen. Ein kleines, jubi­lierendes Wunde

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