AC/DC: Backtracks (Kritik & Stream) - Rolling Stone






AC/DC Backtracks


Sony Ein voluminöses Box-Set der Australier - im Verstärker-Format


von

Brian Johnson ließ kürzlich durchblicken, dass er sich durchaus auf die Rente freue. Mit 62 bewegt sich der Sänger bei Tourneen wohl langsam am Rande seiner Kapazitäten. Für die Nachwelt halten AC/ DC vorsichtshalber schon jetzt alles fest, was es festzuhalten gibt. Immer wieder kommen sie mit aufpolierten Raritäten und Live-Aufnahmen um die Ecke. Nach den DVD-Sets „Family Jewels“ (2005) und „Plug Me In“ (2007) heißt das neue Box-Set etwas schnöde „Backtracks“. Hat es aber in sich.

Die „normale“ Version sieht wie ein kleiner Verstärker aus und beinhaltet zwei CDs und die DVD „Family Jewels 3“. Die beiden Alben unterteilen sich in Studio- und Live-Raritäten – aber so rar sind die Songs dann doch nicht. Man kennt sie entweder – wie „Stick Around“ oder „Fling Thing“ – von den australischen Pressungen der ersten EPs und Alben, die sich von den internationalen zum Teil noch gravierend unterschieden, oder – wie „Cold Hearted Man“ oder „R.I.P.“ – von den üblichen YouTube/Internet-Quellen. Und selbst wer nicht gern so tief gräbt, erinnert sich noch an „Big Gun“ vom „Last Action Hero“-Soundtrack. Alles ordentliche Songs, keine Überraschungen.

Auch die Live-Raritäten sind vor allem B-Seiten, größtenteils aus der Johnson-Ära. Sogar Menschen, die Hardrock nicht buchstabieren können, wissen, wie famos die Australier live sind. Und dass sich das auf Alben leider nie recht vermitteln lässt, weil Angus Youngs angestochener Gang fehlt, Johnsons vor Energie fast platzendes Gesicht, all das Brimborium, das diese elementaren Lieder noch eindrucksvoller macht.

Die „Family Jewels 3“-DVD schließlich versammelt die Videos von 1992 bis 2009, ein paar ältere Clips plus Album-Making-Ofs und weitere Live-Aufnahmen. Selbst wer den alternden AC/DC wohlgesonnen ist – und sind wir das nicht alle? -, muss konzedieren, dass sie Anfang der 90er Jahre ihre beste Zeit hinter sich hatten, das eigene Erbe aber immer noch anständig verwalten. Nicht mehr, nicht weniger.

Die „Deluxe Collector’s Limited Edition“ (von der es immerhin 50 000 Stück geben soll) enthält noch die DVD „Live At The Circus Krone“ von 2003, ein Raritäten-Vinyl, einen Fotoband und ein paar Memorabilia, der eigentliehe Clou aber ist: Diese Box funktioniert tatsächlich als Verstärker, an den man seine Gitarre anschließen kann. Und dann mit dem Ränzel auf dem Rücken durch das Kinderzimmer rocken.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Damien Jurado :: „Reggae Film Star“

Stille, Minimalismus, Wahrhaftigkeit – wunderschön!

Eric Clapton :: „Nothing But The Blues“

Live-Mitschnitt zum gleichnamigen Konzertfilm

Arthur Brown :: „Long Long Road“

Der Psychedelic-Impresario hat sein Feuer nicht verloren.


ÄHNLICHE ARTIKEL

Kritik: Gorillaz live in Berlin – Hier tanzen auch zynische Hipster

Die virtuelle Band rund um Frontmann Damon Albarn befindet sich auf Welttournee. Am 24. Juni spielten sie in der Parkbühne Wulheide in Berlin.

Guns N'Roses covern „Back In Black“ von AC/DC

Bei einem Konzert in Sevilla verneigten sich Axl Rose und Co. vor den Hard-Rock-Kollegen. Die Fans brauchten allerdings etwas, bis sie verstanden, wer da gecovert wurde.

Erdmöbel-Special: Hätte Sehnsucht Gewicht

Eine Reise ins Werk der virtuosesten deutschen Pop-Band