Air: Love 2 (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Air Love 2



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Seit dem prachtvollen Debüt „Moon Safari“ geht es bei Air im Prinzip nur um das eine: Wie finden Kirschblütenmädchen und sexy Jungs auf einer Rakete surfend zusammen? Die französischen Westentaschensymphoniker proben seither den Zungenkuss mit einer leichtfüßigen Muse, die sie mit den sanften Klängen von Analog-Synthesizern bezirzen, um ihr durch den Vocoder Liebesschwüre ins Ohr zu säuseln, denen aufgrund ihrer zuckrigen Süße jedoch nur selten zu trauen ist.

Jean-Benoît Dunckel und Nicolas Godin vernaschen auch auf „Love 2“, ihrem fünften offiziellen Album, das sie erstmals komplett im eigenen Pariser Atlas-Studio produzierten, alle willigen Schutzgöttinnen des Easy Listening. Doch nach dem dröge dahinplätschernden Vorgänger „Pocket Symphony“ wagen sie nun wieder etwas mehr, ja sie kehren gar mit einigen lasziven, kauzigen Beats und eingängigen Arrangements ein Stück weit zu ihren vielversprechenden Anfängen zurück. So lassen sie etwa die erste virale Single „Do The Joy“ nach allen Regeln des verträumten Electro-Pop auftrumpfen und durch „Be A Bee“ eine schwungvolle Gitarre summen, während sich „Tropical Disease“ mit glitzernden Klaviergirlanden zunächst viel Zeit nimmt, die negativen Konnotationen des Titels zu konterkarieren.

Weitgehend bleibt allerdings alles beim Alten: Die zwölf neuen Songs, unauffällig grundiert von Drummer Joey Waronker, schwanken zwischen Klebrigkeit und Luftigkeit, zwischen Swingerclubbesuch im Anzug mit seidenem Einstecktuch und romantischem Picknick in den Tuilerien – et patati et patata. Trotz der durchweg kurzweiligen und subtilen Kompositionen kann man sich aber kaum des Eindrucks erwehren, dass Air die Spritzigkeit und Vielseitigkeit ihres mit Hits angefüllten Erstlings von 1998 nie mehr ganz erreichen.


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