Album der Woche

Neil Young + Promise Of The Real The Monsanto Years



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Nicht einmal Angelina Jolie, Ban Ki-moon und George Clooney zusammen verströmen so viel Bonhomie und Zukunftsglauben. Onkel Neil psalmodiert, der Chor repetiert die frohe Botschaft, und die Gitarren brennen wie blöde: ,,It’s a bad day to do nothing/ With so many people needing our help/ It’s a new day for our planet/ It’s a new day for love.“ Ja, Freunde der Sonne, der Mann, der Modelleisenbahnen sammelt, Automotoren und Audiosysteme baut, der die Chancen der Atomkraft pries, Ronald Reagan nicht verkehrt fand und den Kollegen Crosby, Stills und Nash und überhaupt den Schwärmern der Gegenkultur in dem Song „Thrasher“ ihr Scheitern vorhielt: Dieser Mann ist der allerletzte Hippie, ein Prediger der Graswurzelbewegung, der Verantwortungsethik und der Naturmystik. Nur ein einziger Mann auf Erden darf behaupten: „People wanna hear about love.“

Nun lieben ja alle das scheppernde Gerödel von Crazy Horse, und es lieben auch alle den Mundharmonika-Fex und Folk-Wimmerer, und alle lieben den Sentimentalisten an der Orgel, den Spintisierer, den Mythologen und Rhapsoden, den Selbstwiederholer und den Gung-ho-Protestler. Das Schöne an „The Monsanto Years“ ist, dass alle Neil Youngs der bekannten und der unbekannten Welt zusammenkommen zu einem fanalartigen Jamboree des entfesselten Wahnsinns. Auch der älteste Aficionado hätte gewettet, dass Crazy Horse hier spielen, doch sind es die Brüder Lukas und Micah Nelson mit ihrer Band Promise Of The Real – und es sage keiner, sie hätten den Alten verjüngt!

Man hört den donnernden Nachhall von „Mirror Ball“, als Young mit den damals jungen Leuten von Pearl Jam einen Stiefel raushaute, von „Ragged Glory“ und „Zuma“ und bei der pastoralen Ballade „Wolf Moon“ sogar „Harvest Moon“. In dem gutmütigen Farmer-Rock von „A Rock Star Bucks A Coffee Shop“ pfeift er sich eins, aber man täusche sich nicht, Onkel Neil ist kein Schönwetter-Revoluzzer, und er hat noch nie Rücksicht genommen: „Fascist politicians and chemical giants walking arm in arm.“ Und jetzt alle: Lasst den Farmer anbauen, was der Farmer anbauen will!


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