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Aldous Harding Designer


4AD/Beggars

Das dritte Album der neuseeländischen Songschreiberin markiert den Moment, in dem Harding ihre Stimme findet. Wo „Party“ noch streckenweise Versuchsfeld war, das wie ein grandioses Unentschieden zwischen Sharon Van Etten und Josephine Foster klang, näht „Designer“ die Zitate und Inspirationsquellen nach Maß zusammen.

Das gebrochene Pathos hat Harding aufgegeben zugunsten konziser Lieder, die manchmal an Victoria Williams und an Beth Gibbons’ Platte mit Rustin Man erinnern – und natürlich an PJ Harvey. Schließlich hat John Parish wieder produziert. Diesmal lässt er Harding den Raum, den ihre beinahe aske- tisch anmutenden Folk-Oden zum Atmen brauchen, schaltet nur hier und da einen Geister-Chor oder ein Streichquartett hinzu.

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Eine trügerische Ruhe liegt über diesen Stücken. Alles bleibt auf das Wesentliche konzentriert. Harding liebt die Kunst der Andeutung, des langsamen Herantastens an ihr Sujet, um sich im letzten Augenblick davon zu distanzieren. Wer nicht genau hinhört, wird nichts mitkriegen von dieser köstlichen Spannung.

Provokant-verführerisch besingt Harding die Vergänglichkeit, umgarnt lustvoll Eros und Thanatos in Meisterstücken wie „Heaven Is Empty“ und „The Barrel“: „The wave of love is a transient hunt/ Water’s the shell and we are the nut.“ Noch besser: „Damn“, ein Epos der Reduktion, das Piano pendelt so stoisch wie die Wanduhr einer Bahnhofshalle, die schon lange kein Mensch mehr betreten hat. Die Seele verweilt noch einen Augenblick, doch das Herz drängt weiter auf der Suche nach einer Liebe, die keine Bedingungen stellt.

„Designer“ wird Harding vielleicht ein paar hippe Fans vergraulen, die in jeder Form von Indie-Dilettantismus ein emanzipatorisches Statement oder eine coole Verweigerungshaltung vermuten. Das Album besticht eher durch klassische Folkmusik, wie Nico sie in den Siebzigern vielleicht gemacht hätte, wenn sie aus der Eistruhe ihrer Endzeitstimmung herausgeklettert wäre. (4AD/Beggars)


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