Aldous Harding

„Train On The Island“ – Hypnotisch

4AD/Beggars (VÖ: 8.5.)

In Wales entwarf die Neuseeländerin dunkle, abstrakte Folk-Melodien.

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Im Lauf ihrer letzten Alben hat man Hannah Harding alias Aldous Harding dabei zugehört, wie sie ihre Musik verinnerlichte. Auf „Designer“ (2019) noch sang sie mit heller Stimme und mit Phrasierungen, die ein wenig an Nick Drake erinnerten. Auf dem 2022 erschienenen „Warm Chris“ war die Abstraktion schon größer, Harding sang jetzt tiefer, die Musik wirkte kantiger. Für ihr neues Album ging die Neuseeländerin mit ihrem Stammproduzenten John Parish zurück in die Rockfield Studios im walisischen Monmouth. Bislang drei Alben hat sie dort aufgenommen, wo schon Queen und Coldplay produzierten.

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In Wales entwarf Harding eine abgedunkelte, stille und nüchterne Musik. Bei „One Stop“ entwickelt sie über einem leise drängenden Klaviermotiv zwei, drei griffige Gesangslinien, bevor das Lied unvermittelt in eine Art Folk-Soul wie von Van Morrison hinübergleitet. Auch der Titeltrack steht auf einem Pianoriff, zu dem Harding mit brüchiger Stimme fast zu improvisieren scheint. Der Refrain fügt eine memorable Melodie hinzu.

Die Lieder auf „Train On The Island“ bleiben nicht im Ungefähren, entziehen sich aber dem leichten Zugriff – da ist eine Nähe zu John Parishs großer Kundin PJ Harvey. Harding nutzt ihre Stimme auf eine sehr physische Weise, als würde sie mit ihr in ein Dazwischen eintreten, in dem nichts mehr allzu vertraut ist, sondern deutungsoffen. Ihre musikalische Abstraktion ist nicht theoretisch, sondern körperlich – man kann sich von ihr mitnehmen lassen und etwas von dem spüren, was die Künstlerin vielleicht meint. Faszinierend ist zum Beispiel die etwas an Radiohead erinnernde Meditation „I Ate The Most“. Das schwer trottende „Worms“ entwickelt eine fast hypnotische Atmosphäre. Dagegen hat das mit akustischen Gitarren arrangierte „Venus In The Zinnia“ eine sonderbare, verwunschene Leichtigkeit.