Andreas Dorau Die Liebe und der Ärger der Anderen


Staatsakt

Der Pöbel hat Andreas Dorau meist unterschätzt und auf „Fred vom ­Jupiter“ reduziert. Böswillige Kritiker verglichen seine Stimme sogar mit einer quäkenden Tröte. Und mit seinem höflich jungenhaften Auftreten – korrektem Seitenscheitel, ordentlichen Hemden, von denen aus einem Rundhals­pullover meist nur der Kragen hervorlugt –
kon­terkarierte der Hamburger ­alle Erwartungen in puncto Stil und Outfit eines Popsängers.

Seit 36 Jahren ist Dorau deshalb vor allem ein Fall für leidenschaftliche Popkenner und House-­Connaisseure, ein den Checkern vorbehaltenes Nischen­phänomen. Das soll sich jetzt ändern. Mit seinem zehnten Album will der Pfarrerssohn in die Album­charts – wo er trotz Hitsingles wie „Girls In Love“ und „Fred vom Jupiter“ noch nie war.

Ein Ohrwurm jagt den nächsten

Der Plan könnte aufgehen: „Die Liebe und der Ärger der Anderen“ ist ein genialer stilistischer Rundumschlag, kongenial in Szene gesetzt von Luca „Snap!“ Anzilotti, Men­se Reents, Andreas Spechtl, T.Raum­schmiere, Stereo Total, Carsten Friedrichs, Moses Schneider und Ibizalegende Alfredo Fiorito. Ein sexy federnder Ohrwurm jagt den anderen, aber wie immer sind es die Texte und der widerborstige Gesang, die daraus etwas Einzigartiges machen.

Kooperation

Das von Zwa­nie Jonson produzierte und von Wolfgang „Die Tödliche Doris“ Müller mitgeschriebene „Imitier mich“ ist so ein Fall. Unfassbar auch „Liebe Bürger“: Der raffinierte House-Track von ­Luca Anzilotti macht schon nach einmal Hören süchtig. „Ein trauriger Tag“ dagegen, geschrieben und gesungen mit Françoise Cactus, ist eines dieser schrulligen Dorau-Szenarien, in denen Tiere wichtige Rollen spielen.

Man möchte jeden Song einzeln vorstellen, aber einigen wir uns aus Platzgründen doch einfach auf ­Folgendes: „Die Liebe und der Ärger der Anderen“ ist ein traumhaftes Sommeralbum geworden. Wer noch bei Trost ist, greift zu und hilft Andreas Dorau dabei, seinen Traum endlich zu leben: den Einstieg in die Albumcharts.


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