Die besten deutschen Songs aller Zeiten: Andreas Dorau – „Und das Telefon sagt DU“


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Nie klang das Freizeichen schöner als bei Andreas Dorau. „Jeder kennt doch diesen Ton/Die Post schickt ihn durchs Telefon/ Dieses Zeichen nennt man Frei-/ Und so fühl ich mich dabei“, singt Dorau und lässt den Dauerton die zweite Stimme singen in dieser autoerotischen Dancefloor-Romanze, die die libidinöse Beziehung, die heute viele zur ihrem Mobiltelefon pflegen, im Jahr 1994 klug vorwegnimmt.

Wie so oft in seinen Liedern spielt Dorau die Rolle des Narziss, der keine Wasserquelle mehr braucht, um sich in sein eigenes Spiegelbild zu verlieben, und stattdessen im industriellen Zeitalter andere Möglichkeiten gefunden hat, um sich selbst zu bestaunen: „Ich nehm den Hörer und frag schlau:/ Wer gefällt heut jeder Frau? Und das Telefon sagt: Du/ Und ich hör ihm weiter zu.“

Wer nicht aufgepasst hatte, für den war „Das Telefon sagt Du“ (1994) das erste Lebenszeichen Andreas Doraus, seit er in „Fred vom Jupiter“ (1981) den außerirdischen Mädchenschwarm gespielt hatte. Viele hatten ihn sowieso schon immer mit Markus („Ich will Spaß“) und die Schlichtheit seiner Lieder mit Einfältigkeit verwechselt.

Dabei hatte er von Anfang an in der NDW-Ecke nichts verloren – er machte nämlich frühreife Konzeptkunst, die im Katalog des Düsseldorfer Indielabels Ata Tak bestens aufgehoben war und diesem den größten Single-Charts-Erfolg bescherte.

Spiel mit Selbstbespiegelung

Das auf „Blumen und Narzissen“ (1981) begonnene Spiel mit der Selbstbespiegelung setzt Dorau auf den mit kunterbunten Dancefloor-Beats unterlegten Alben fort, die er in den 90er-Jahren mit Tommi Eckart (später 2raumwohnung) machte. Und in „Das Telefon sagt Du“ (das die gleiche Harmoniefolge verwendet wie „Fred vom Jupiter“) fasst er das Spieglein-Spieglein-an-der-Wand-Konzept am hübschesten zusammen: „Warum in die Ferne schweifen/ Ich muss nur zum Hörer greifen/ Ich heb ab und frage: Wer/ ist dieser nette junge Herr?“ Und das Freizeichen antwortet, um eine Quinte versetzt, vertraulich tutend: „Du“.