BAP – Dreimal zehn Jahre


Zum Jubiläum erinnern sich die Kölner an bessere Zeiten

Entwarnung, die Welt ändert sich doch nicht so schnell: Blasenkopf-Maler Sebastian Krüger hat das Cover gemacht, „Verdamp lang her“ wird gesungen, zweimal sogar. Einmal mit Thomas D von den Fantastischen Vier, der mit freiem Samurai-Oberkörper im Studio stand (es gibt Filmaufnahmen davon!), einige Zeilen in schriftdeutscher Übersetzung sang und hinterher verklausuliert zugab, daß er eigentlich nie BAP gehört hat. Und noch einmal in einer „vollkölschen“ Version, allerdings ohne die berühmte Linie, die in den 8oer Jahren jeder auf der Luftgitarre spielen konnte, denn der Major ist lange weg, und es ging darum, zumindest ein paar Dinge anders zu machen als damals, denn: Eigentlich ändert die Welt sich ja ganz schnell.

Wer sich zum Jubiläum selbst feiert, weil einem das im Rockgeschäft kein Komitee abnimmt, zieht den Spott natürlich an: Wolfgang Niedecken hat BAP vor knapp 30 Jahren gegründet, hat jetzt mit der derzeitigen Band (deren am längsten dienendes Mitglied seit 1987 dabei ist) 28 Stücke neu aufgenommen, die paarweise aus allen Alben genommen wurden. Radikalüberholungen, wie Niedeckens unerreichbares Idol Bob Dylan sie seinen alten Songs live zumutet, sind das nicht – bei der Band BAP stand die Lyrik immer in sonderbarer Spannung zur Rock-biederen Musik, und wenn „Wellenreiter“ von 1982 jetzt als Reggae interpretiert wird, ist das nur eine Option, die man vielleicht schon damals in Betracht gezogen hatte.

Interessant und heute natürlich komplett unzeitgemäß ist die Rolle als Autorität, als verantwortungsbewußter bürgerlicher Dichter und große Stimme, die Niedecken in seinen Liedern immer gespielt hat: Die Wandlung zum Individualisten, die bei Grönemeyer gut und bei Westernhagen schlecht gelang, hat er nie vollzogen. Und so verloren und daneben er heute in dieser Position auch wirkt, so berückend sind hier die Erinnerungen an die Zeit, als das noch funktionierte: „Kristallnaach“, „Nemm mich mit“, „Alexandra, nit nur do“ und so weiter. Als Gastsänger lud man absichtlich „nicht die üblichen Verdächtigen“, es sind Leute von Virginia Jetzt!, Die Happy, H-Blockx, dazu Xavier Naidoo, Ray Davies und andere, leider nicht Bernd Begemann. Suzie Kerstgens von Klee trug bei der Neu-Aufnahme von „Frau, ich freu mich“ ein Hemd mit der Aufschrift „Rock & Roll Is Dead“, aber das wußte Niedecken schon vor 30 Jahren. Daß er trotzdem noch Teil von diesem Wanderzirkus ist, kommt ihm sicher selbst etwas komisch vor.


BAP: Wolfgang Niedecken wurde als Junge von einem Priester sexuell missbraucht

In der „Maischberger“-Sendung hat Wolfgang Niedecken von sexuellen Übergriffen erzählt, die er Anfang der 1960er-Jahre in einem katholischen Internat erleiden musste. Ein Pater habe den damals 13-jährigen missbraucht. In der Folge „Missbrauch in der katholischen Kirche: aufklären oder vertuschen?" sprachen neben dem BAP-Sänger auch Claudia Mönius (Autorin), Matthias Katsch (Sprecher des Betroffenenverbands „Eckiger Tisch“) und Christiane Florin (Deutschlandfunk) über das Thema. Niedecken: „Psychoterror“ Niedecken: „Einer der drei Pater war ein pädophiler Sadist. Ich war 13. Wer die Vokabeln nicht konnte, wurde mit dem Stock durchgeprügelt. Dann musste man sich bei ihm auf den Schoß setzen und wurde befummelt. Und dann…
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