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Bruce Springsteen Hollywood Studios Live ’92

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Zu den großen Rätseln von Bruce Springsteens Schaffenskrise nach „Tunnel Of Love“ gehört die Entscheidung, aus einem großen Haufen schwacher Song zwei schwache Platten zu machen, statt die besseren Stücke auf einem Album (oder keinem) zu veröffentlichen. Springsteen wusste es damals nicht, aber die Katastrophe von „Human Touch“ und „Lucky Town“ stand kurz bevor, als er im März 1992 vor Publikum die finale Tourneeprobe veranstaltete, die von dem Radiosender WNEW übertragen wurde. Nur Roy Bittan war von der E Street Band übrig geblieben, Steven Van Zandt hatte zwei Gastauftritte – dafür sangen viele Leute, darunter Patti Scialfa, im Hintergrund, um das neue Blues- und Gospelgefühl glühend zu exekutieren.

Das Konzert in Los Angeles beginnt mit „Born In The U.S.A.“ samt allem Aplomb und allem Krampf, den schlierigen Synthesizern und den Kriegtrommeln. „Local Hero“ ist eine Art Country-Blues, gesungen mit kratziger Stimme, dazu Boogie-Woogie-Piano und „-Hu-Hu-Hu“-Chor. Shane Fontayne, Tommy Sims und Zack Alford spielen aufs Knarzigste und Rumpeligste, ihre Namen klingen schon so. Springsteen wollte in eine Gospel-Kirche, aber er kam nur bis zu einer Honkytonk-Bar.

Zwischen all dem Driss von den damals neuen Alben, zwischen „Living Proof“, „Man’s Job“, dem leeren Delta-Blues-Elend „The Big Muddy“ und dem lärmig-hysterischen Kuddelmuddel „57 Channels (And Nothin’ On)“ gibt es immerhin den tröstlichen, bramsigen -Radio-Rock-Song „Lucky Town“, und es gibt „My Hometown“ als Erinnerung daran, was Springsteen keine zehn Jahre zuvor gewesen war. „Hungry Heart“, geklampft und verbluest, beschließt den Auftritt – ein Hit und zugleich der traurigste Song der Welt. Die Art, wie er „Darkness On The Edge Of Town“ singt, weist darauf hin, dass Springsteen sich jetzt als Erwachsener verstand, als Mann, der Passagen in seinen Stücken spricht und verlangsamt und irgendwie komisch singt, jedenfalls anders als früher. Und das will kein Mensch. Denn es gibt nur eine Dunkelheit am Rand der Stadt.

In einer Ansage spricht Springsteen von Entfremdung. Er spricht nicht wie früher, nicht atemlos, beseelt und flammend, sondern unsicher. Und dann spielen sie „If I Should Fall Behind“, die Mundharmonika tönt, die Keyboards grundieren, „Should I fall behind, wait for me“, und dann kriegt Springsteen einen doch wieder.

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