Bruce Springsteen The Album Collection, Vol. 2: 1987–1996

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Nach „Born In The U.S.A.“ war Bruce Spring­steen nicht nur der größte Rockstar Amerikas, er war ein Nationaldenkmal. Rückblickend muss man kon­statieren, dass die unglückliche Ehe mit Model und Schauspielerin Julianne Phillips in künstlerischer Hinsicht das Beste war, was ihm zu diesem Zeitpunkt in seiner Karriere passieren konnte.

Auf „Tunnel Of Love“ fand Springsteen 1987 verblüffend unrockige Töne für seine Krise. Er reflektierte über das flüchtige Wesen der Liebe und grübelte, wie das Leben gelingen kann, ohne das emotionale Gepäck, das wir alle mit uns herumschleppen, ins Niemandsland der Seele zu verbannen. Die ziellosen spätadoleszenten Ausbrüche gehörten der Vergangenheit an. Springsteen war nicht nur als Songschreiber erwachsen geworden. Und doch bestätigte er in den folgenden Jahren das Klischee, dass nur ein unglücklicher Songschreiber ein guter Songschreiber sei. Er ließ sich von Phillips scheiden, begann eine Beziehung mit der Sängerin Patti Scialfa und heiratete erneut, wurde Vater und zog nach Los Angeles, wo testosterongeladene Rockmusik gerade wieder mal Konjunktur hatte.

https://www.youtube.com/watch?v=_6UJq_S_TKs

Die muskulöse Produktion von „Human Touch“ und „Lucky Town“ (1992) zeugt davon und will Aufbruchstimmung suggerieren. Springsteen trug Lederweste, weit aufgeknöpfte Hemden und Kruzifixkette – und röhrte wie ­eine hemdsärmelige Karikatur seiner selbst. Stücke wie „Roll Of The ­Dice“, „Man’s Job“ und „Living Proof“ klingen wie schweißtreibende Arbeit am Eigenheim. Da wünscht man sich sogar den infantilen „I’m A Rocker“-Springsteen zurück. „In Concert – MTV Plugged“ (1993) bildet den unrühmlichen Schlusspunkt von Springsteens ausgestelltem Post-Midlife-Crisis-­Hochgefühl. 1995 erschien dann „The Ghost Of Tom Joad“, die innigen Outlaw-Balladen und Dust-Bowl-­gefärbten Erzählungen wurden von Fans und Kritikern als Fortführung des Meisterwerks „Nebraska“ gefeiert.

Ebenfalls in dieser Box enthalten und erstmals auf Vinyl vorliegend sind die EPs „Chimes Of Freedom“ mit Songs, die Springsteen 1988 auf der „Human Rights Now!“-Tour von Amnesty International spielte, sowie „Blood Brothers“ zum gleichnamigen Film, der die kurzzeitige Reaktivierung der E Street Band anlässlich der 1995 erschienenen „Greatest Hits“-Platte dokumentiert. Springsteen war um Lässigkeit und Kreativität bemüht – er sollte sie erst nach der Jahrtausend­wende wiederfinden. (Columbia/Sony)

https://www.youtube.com/watch?v=85cNRQo1m3A
„Westworld“-Schlusskritik: Tschüss, bin wohl zu blöd für die Serie

Sechs Folgen der zweiten Staffel von „Westworld“ sind um, 16 sind seit 2016 angelaufen, und noch immer wird die Serie mit „Lost“ verglichen. „Lost“ hat einst über Jahre fasziniert. Weil es viele Rätsel aufwarf, und die Rätsel von Folge zu Folge mehr wurden, und alle wollte man lösen. Der Vergleich beider Formate scheint mir nicht passend. „Lost“ bot eine klare Situation. Man wusste ziemlich schnell, was man nicht weiß. Bei „Westworld“ aber weiß man nicht, was man nicht weiß. „Lost“ war die Insel, auf der verschiedene Leute gestrandet sind, die sich erstmal nicht mögen. Warum gerade diese Leute? Was ist…
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