Christin Nichols

„Christin Nichols“ – Richtig gut

PIAS (VÖ: 24.4.)

Weniger Electro-, mehr Gitarren-Pop – und immer eine klare Haltung.

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Ich will alles oder nichts und dazu ein Beerenmixgetränk!“ Das ist mal eine Ansage, unterlegt von einem treibenden Schlagzeug und einer wilden Gitarre, gleich im ersten Song, „Spotlight“. Genau da stellt Christin Nichols sich jetzt hin. „Weil Mut größer als Angst ist“. Die Berlinerin konnte schon immer gut deutliche, nie billige Slogans raushauen. Und jetzt scheint sie sich in ihrer Musik endlich genauso wohlzufühlen wie in ihren Texten.

Nichols versteckt weder ihre Schwachstellen noch schreckt sie vor Hybris zurück

Am Theater und im Fernsehen spielt sie schon Hauptrollen, als Sängerin und Songschreiberin ist es jetzt so weit. Wenn auch heute noch gilt, dass das dritte Album das „Make or break“-Werk ist, dann gibt es keine zwei Meinungen: Christin Nichols macht es. Die Deutschbritin wechselt mühelos zwischen den Sprachen, und ebenso lässig tauscht sie ihren Electro-Pop jetzt gegen mehr Gitarren ein – das passt zu ihrer klaren Haltung, die keine hübschen Spielereien braucht (Witz dagegen schon). Deshalb ist es nur logisch, dass dieses Album nach „I’m Fine“ (2022) und „Rette sich, wer kann“ (2024) einfach „Christin Nichols“ heißt.

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Nichols versteckt weder ihre Schwachstellen („Keine Kontrolle“) noch schreckt sie vor Hybris zurück („Unsterblich“), sie feiert ihre „Chelsea Boots“ und besingt mit Gwen Dolyn „Bittere Pillen“ – ein starkes Stück über männliche Machtfantasien („Ich wär so gern verliebt in dich/ Mach mich high, sonst klappt es nicht“). Während „Andere Frauen“ leicht NDW-mäßig die Gemeinschaft Gleichgesinnter feiert und „Cheerleader“ das Leben und die Liebe, trotz allem („Ich habe nichts, doch das würd’ ich dir gern geben“), blitzen zwischendurch auch lustige Momente auf – etwa wenn Nichols zu dieser erfreulichen Erkenntnis gelangt: „Ich habe keine Depressionen/ Es lag einfach nur an dir.“ Und wenn sie am Ende immer wieder „Alles ist falsch“ behauptet, möchte man immer wieder erwidern: „Du bist aber richtig!“