Coldplay – Viva La Vida Or Death And All His Friends


EMI


von

Ein leichteres Ziel ist schwer vorstellbar. Geben Coldplay doch stets mit rührender Zuverlässigkeit Vorlagen, die kaum der Verwandlung lohnten: Unter anderem gehörte während der Aufnahmen ein Hypnotiseur zu den regelmäßigen Gästen. Für den Spott braucht Chris Martin also nicht zu sorgen, für gute Musik hingegen schon: Der überproduzierte Bombast des Vorgängers „X&Y“ hat diesbezüglich eine Lücke entstehen lassen. Der beste Song war damals noch jenes eigentlich für Johnny Cash geschriebene Musterbeispiel an Reduktion, „Til Kingdom Come“. Die Offensichtlichkeit, mit der Coldplay eine große Band sein wollen, verhindert nun abermals derlei Zurückhaltung im größeren Rahmen. Wenngleich ihnen Brian Eno ein geschmackvolleres Klangbild angedeihen ließ, das allerdings – wen wundert’s? -auch mehr denn je nach einer beinahe femininen Version von U2 klingt.

Der erste Block: „Life In Technicolor“, auf einem persischen Satur gespielt, geht nahtlos in das von Ethno-Chören umflorte „Cemeteries Of London“ über, in dem irgendwas über eben jene Friedhöfe gesäuselt wird. Vermutlich eine Metapher auf den Niedergang des Empire, so genau weiß man das bei Martin nie. Mit dem Kirchenorgel-getriebenen Kitsch-Gospel „Lost“ – circa „Where The Streets Have No Name“, nur stockender – nähert sich der Songzyklus dann auch thematisch von den Iren gangbar gemachtem Territorium: Krieg, Religion – schwere Themen, überwiegend vermittelt anhand banalster Textentwürfe: „Soldiers you’ve got to soldier on/ sometimes even the right is wrong“, heißt es einmal – nun ja.

Allerdings kann man auch so lange darüber nachdenken, was Coldplay nicht sind, dass man vergisst, was sie durchaus sein können: ein vortrefflicher Pop-Katalysator nämlich. Universale Gültigkeit kann diese viel zu brave und verbindliche Band weder durch ihre Themen noch durch einen ambitionierten musikalischen Anspruch erlangen, sondern nur durch alles verschmelzende Melodien. Wer Coldplay noch nicht endgültig aufgegeben hat, wird von der zuckerwattigen Sämigkeit etwa des Titelsongs oder der verschwurbelten Hymnik von „Yes“ hingerissen sein. Freilich eher „Viva La Vida“ als Gevatter Tod und seine Freunde?


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