Delta Spirit „History From Below“



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Rücksturz zur Erde. Nach dem schon notorisch gutgelaunten Debüt „Ode To Sunshine“ spielte das kalifornische Quartett an die 300 Konzerte mehr oder weniger am Stück, derweil Sänger Matthew Vasquez Howard Zinns alternative „History Of The United States“ in die Finger bekam. Das neue Album dann gleich „History From Below“ zu betiteln, ist aber zumindest frech, wenn nicht leicht irreführend. Denn ihr – sagen wir – sozialkritisches Profil schärfen Delta Spirit hier explizit nur mit dem Opener „9/11“, der eloquent und eher verstörend gutgelaunt die Apathie einer kriegführenden Nation seziert. Bush ist halt nicht an allem schuld, und ein Obama allein macht noch kein besseres Amerika.

Davon abgesehen dokumentieren die restlichen zehn Stücke hinreichend, dass Delta Spirit mehr sein wollen als der lustige Americana-Überflieger für eine Saison. Und dies auch sein können. Bereits live-erprobte Songs wie das bissige (Anti)Liebeslied „Bushwick Blues“, die ausladend-vertrackte „Ballad Of Vitaly“ und die nicht zu feierliche Sinnsuche „Salt In The Wound“ legen dabei nahe, dass sie auch allein mit dem Restschwung ihrer Endlos-Tour gar nicht schlecht gefahren wären. Aber die Band nahm sich noch mal Zeit und die Freiheit eines neuen Übungsraums, und dann Tom Waits‚ bevorzugtes Prairie Sun Studio C und My Morning Jacket-Keyboarder Bo Koster als Produzenten.

Diesem Ansatz verdanken wir nun einige der schönsten Songs hier.“Ransom Man“ etwa, die nur auf gezupften Akustik-Akkorden und verqueren Chören gebaute Geschichte eines Auftragskillers, der sich in sein potenzielles Opfer verliebt und darob nur noch „If I don’t kill you, you will kill me“ stammeln kann. Auch die nackte Beziehungsbilanz „Scarecrow“, das wuchtig-perkussive „White Table“ oder die Fan-Hymne „Golden State“. Während sich das innige Requiem „Vivian“ (die Oma) doch schon ins Live-Programm geschlichen hatte. Auch eine Geschichte von unten. (Rounder/Universal)

Jörg Feyer


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