dEUS Keep You Close


Pias

Warum muss alles Gewohnte irgendwann einmal enden? Warum kann nicht alles so bleiben, wie es war? Nachdem sich die Streicher so hochdramatisch geriert haben, als eröffneten sie ein Kinomelodram, verwandelt Tom Barman „Keep You Close“, den Titelsong des neuen dEUS-Albums, in eine Ode auf die Treue, singt gegen den stetigen Wechsel, die Wankelmütigkeit des Lebens an, wünscht sich, dass die romantische Zweisamkeit für immer währt – und muss dann doch mit der Trennung fertigwerden: „So is this what they mean about moving on?“

Hatten dEUS auf „Vantage Point“ (2008) noch stürmisch das Weite gesucht, drängt es sie nun in „Keep You Close“ nach Nähe und Intimität. Immer wieder wird Barman von Beziehungsenden und dem Fehlen von Konstanten in seinem Leben erzählen. Doch auf seine Band ist mehr Verlass als auf die Liebe. Der melancholische Grundanstrich, die rhythmische Raffinesse, die sorgfältig-fein gearbeiteten Arrangements sind einem bereits aus früheren Arbeiten der Belgier vertraut. Diesmal gerät das Repertoire jedoch besonders trübsinnig: „Dark Sets In“ hält gleich mehrere mürrische Gitarrenriffs bereit. Trotz eines funky Grooves und heftig synkopischen Bläsern gibt sich „Constant Now“ untröstlich. Und das filigran-melancholische Pop-Poesie-Epos „The End Of Romance“ verkündet zum brummenden Bass, dass es die wahre Liebe vielleicht doch nur in Kitschromanen gibt.

Der dunkle Ton des Albums wird am ehesten noch in „Ghosts“ aufgehellt. Während vorsichtig mit dem HipHop geflirtet wird, singt Barman: „You and me together/ We will be chasing ghosts away.“ Doch je länger der Song dauert, desto deutlicher wird, dass hier kein Gespenster verjagt, sondern dem Song die Leichtigkeit ausgetrieben wird.

Beste Songs: „Keep You Close“, „Ghosts“


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