Dietrich Brüggemann Heil



von

Prittwitz ist ein Städtchen genau an der Grenze zwischen Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt und wird daher von gleich drei Teams des Verfassungsschutzes überwacht, was auch nötig ist, denn das Kaff hat ein Problem mit Rechtsradi­kalen. Deren Anführer, Sven, ist besonders eifrig und plant gar, um der Nazi­braut Doreen zu imponieren und sich gegen die westdeutschen Nazi-Hipster (kurz: Nipster) durchzusetzen, in Polen einzumarschieren. Der afrodeutsche Erfolgsautor Sebastian Klein, der mit seiner hochschwangeren Freundin Nina  am Prenzlauer Berg lebt (sie betreibt ein „Duft-Atelier“), wurde eingeladen, dort aus seinem Buch „Das braungebrannte Land“ zu lesen. In Bahnhofsnähe macht er erste Bekanntschaft mit einem Baseballschläger  und wird bewusstlos ins Naziversteck geschleppt. Dort erwacht er ohne Gedächtnis und spricht seinen Kidnappern jede dumpfe Parole nach. Die wittern ihre Chance: Ein Schwarzer, der rechtes Gedankengut vertritt, ist die hipste Geheimwaffe gegen Überfremdung und hebelt jeden Political-Correctness-Diskurs aus. Während Nina sich mithilfe des Dorfpolizisten Sascha auf die Suche nach ihrem verschollenen Freund macht, die Rechten – alles V-Männer verschiedener Verfassungsschützer – die Fernsehsender kapern und sich bei der Planung des Polenfeldzugs gegenseitig zerfleischen, diskutieren Intellektuelle angesichts der ungeheuerlichen Geschehnisse in Talkshows hilflos die Reflexivität des Verbs „erinnern“.

Klingt wie eine schlimme Klamotte? Ist es auch. Aber es ist eine sehr, sehr schlaue schlimme Klamotte, denn Regisseur Dietrich Brüggemann macht sich hier mit bitterbösem Witz nicht nur über rechte Dummheit, linke Ideologie und Bio-Bürgertum, sondern auch und vor allem über Medien, Kulturbetrieb und Staatsgewalt lustig (Letztgenannte wird u. a. von Heinz Rudolf Kunze, Thees Uhlmann, Bernd Begemann und Andreas Dresen verkörpert), die allesamt viel zu sehr in ihre je eigenen Mechanismen und Eitel­keiten verstrickt sind, um sich mit dem eigentlichen Problem auseinander­zusetzen.


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