Spezial-Abo

Freiwillige Filmkontrolle


Eels Tomorrow Morning


Cooperative VÖ: 20. August 2010


von

The end of the world as we know it: Mark Oliver Everett ist glücklich! Auf dem neunten Album der Eels wird fast alles gut – und Everett zum Kolibri, federleicht, versöhnt mit den Umständen.

„Tomorrow Morning“ ist der Schlusspunkt einer Trilogie, die 2009 mit „Hombre Lobo“ begann. Wir erinnern uns an kaputten Blues, verzerrten Rock und depressive Song-Miniaturen – Everett klang wie Mark Linkous (R.I.P.) oder wie eine Beatbox-Version von Tom Waits, allerdings nicht so monströs und schwergewichtig, dafür lapidar und in der Apathie irgendwie niedlich. Dann kam das zweite Album, „End Times“, auf dem Everett zu eher akustischen Instrumentierungen das Ende bedachte. Nun die Erlösung. Nach dem Tod kommt hier die Auferstehung, wie tröstlich. Dur-Akkorde, Geigenhimmel, verliebte Jungs. Everett lässt die Gitarre im Schrank und kompiliert Synths und Beats und analoge Keyboards zu (öfters an Beck erinnernden) Electro-Folk. Bei „Spectacular Girl“ wird zu einem kaputten Schlagzeug und watteweichen Mellotrons gesungen, zärtlich, ergeben, liebevoll – viele Lieder sind so.

Zwischendrin immer wieder schiefe Streicher: Spielt da ein Orchester im Nebenzimmer ein anderes Lied? Die Gegenmelodien untergraben die Harmonie. Der gebeutelte Künstler überbringt seine frohe Botschaft nicht grundfröhlich und glückstrunken – Everett atmet aus und findet es schön, dass der Schmerz nachlässt. Das ganze Elend als Vorstufe zum Glück, zum Neuanfang. „It was all worth it / To be here now“, singt der Auferstandene.

Nun hört man diese und die letzten beiden Platten insgesamt als die Passion des Mark Oliver Everett. Rock, Folk, Elektro: Auch die Musik gehört zusammen, ergänzt sich zu einem vollständigen Bild.

Vom Abgrund in den Himmel, wir gehen mit.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Steve Cropper :: Fire It Up

Der legendäre Soul-Sideman tritt aus dem Schatten

Kritik: Stephen King: „Später“ – die Geister, die er rief

Dritter Roman für Kings „Hard Cased Crime“-Reihe: Ein Junge sieht Tote – und wird deshalb von Erwachsenen missbraucht

Daft Punk :: Random Access Memories

Daft Punk tun zwar noch immer so, als bestünden sie nur aus Schaltkreisen, als kämen sie aus dem All und...


ÄHNLICHE ARTIKEL

The Rolling Stones und „Exile On Main Street“: Stolze Außenseiter

„Die Stones mögen kein Zuhause mehr haben“, sagte Keith Richards zu den Aufnahmen, „aber wir kriegen unser Ding trotzdem geregelt.“

Klasse von '87: War 1987 das beste Musikjahr aller Zeiten?

1987 war ein wichtiges Musikjahr. Prince, Springsteen, Jackson, U2 – aber auch Pixies, Smiths, Public Enemy und Dinosaur Jr.: Einige Meisterwerke aus Mainstream sowie Underground erblickten vor 30 Jahren das Licht der Welt. Ein Überblick.

Eels: „Dass ich noch immer hier bin, ist ein Wunder“

Ihn interessiere vor allem die "konstante Unsicherheit des Lebens" sagt Eels-Gründer Mark Oliver Everett. Die von einer Scheidung gefärbten Songs seines mittlerweile 13. Studioalbums "Earth To Dora" klingen zerknirschter als auf dem lebensbejahenden Vorgänger, nähren in den schönsten Momenten aber einmal mehr das zarte Pflänzchen Hoffnung. „Umso düsterer der Weg, umso mehr bedeutet es, wenn du schließlich das Licht am Ende des Tunnels erblickst“, sagt Everett. Ein Gespräch über verlorene Lieben, verschollene Alben, die mysteriöse Aura der Aale und John Lennons' liebste Eels-Platten.


The Rolling Stones und „Exile On Main Street“: Stolze Außenseiter

Das Doppelalbum aus dem Jahre 1972, ein räudiger Bastard aus Blues und Boogie, war de facto „die erste Grunge-Platte“ – wie Keith Richards einmal in einem Interview stolz verkündete. Doch hinter den rohen Riffs von Richards und Mick Taylor, dem lustvollen Schub der Wyman-Watts-Rhythmusmaschine und Jaggers gequältem Bellen und verzehren- dem Schmeicheln verbirgt sich nicht nur das größte Stones-Album, sondern auch das definitive Statement der Songwriter Jagger und Richards, die sich stolz zur Rolle des sozialen Außenseiters bekennen. Im rudimentären Shuffle „Tumbling Dice“, dem resignierenden Country-Lamento „Torn And Frayed“ und dem whiskeygetränkten Hoffnungsschimmer von „Shine A Light“ glaubt man die…
Weiterlesen
Zur Startseite