Eurythmics In The Garden


Ob Annie Lennox von Clem ­Burke den Rat erhielt, wie Debbie Harry zu singen? Burke ist ja Drummer von Blondie – und Lennox, die sich später zu einer Soul-Interpretin entwickelte, imitiert hier das Stimmchen der berühmteren Kollegin. Dabei las sich das Eurythmics-­Debüt auf dem Papier grandios. Conny Plank produzierte sie in seinem Studio, neben ­Burke arbeiteten ­Jaki Liebezeit und Holger Czukay von Can mit, außerdem Robert Görl (D.A.F.). Ergebnis: Pop ohne Charakter, wie Musik von einander wesensfremden Leuten. Vielleicht hätte Lennox’ Partner ­Dave Stewart die Initiative ergreifen müssen. Sich für das Plattencover in einen Garten zu stellen macht jedenfalls noch keinen Krautrock.

Mit „Sweet Dreams (Are Made Of This)“ (★★★½) verstand Stewart, wie Pop 1983 funktionieren musste. Eurythmics klangen nun böser als OMD und wichtiger als Visage, nur Lennox’ neues, androgynes Image erinnerte zu sehr an ­Grace ­Jones. Aber ihre Stimme war nun endlich da. Allein wer den Albumtitel nur liest, summt die Melodie. Irrtümlich wird er mit ihrem später veröffentlichten Score zur „1984“-Verfilmung in Verbindung gebracht, was den weltweiten Ruf von „Sweet Dreams“ aber nur untermauert.

Nur zehn Monate danach kam „Touch“ (★★½). Reizvoller ­wäre ­eine Doppelalbum-­Veröffentlichung mit dem Vorgänger gewesen, die Elektro-­Songs ähneln sich stilistisch. Für eine glaubwürdige Cover­version von Bowies „Fame“ war das Duo noch nicht erfolgreich, also zynisch genug – ihre Fassung ist eher peinlich. „Here Comes The Rain Again“ dagegen nahm die Melancholie vorweg, die Lennox heute auszeichnet. Auch „Who’s That Girl?“ war ein gelungener Blick auf Kritiker, die Angst vor der Uneindeutigkeit ihres Erscheinungsbilds hatten.
Und die Eurythmics entwickelten sich weiter. Ein bedeutenderes Reissue wird der nächste zu erwartende LP-Dreier, mit Single-Meisterwerken wie „There Must Be An Angel (Playing With My Heart)“ und „Thorn In My Side“ sowie den Weisheiten des ’86er-Albums „Revenge“. (RCA/Sony)

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