Frankie Goes To Hollywood Welcome To The Pleasuredome

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Den Eröffnungssatz „The world is my oyster“ klaute Holly Johnson von Shakespeare. Davon abgesehen war das Debüt seiner Band einzigartig – im Guten wie im Schlechten. Die 16 Songs nahmen 1984 die Lebensweisheit des fiktiven US-Präsidenten Frank Underwood vorweg, verkörpert von Kevin Spacey in der Serie „House Of Cards“: „Alles dreht sich um Sex. Außer Sex. Bei Sex geht es um Macht.“

Auch bei Frankie Goes To Hollywood war alles Sex oder Macht. Die Weihnachtsballade „The Power Of Love“ war Sex, die Cumshot-Hymne „Relax“ ebenso, und „Two -Tribes“ war der Sex, bei dem es um Macht geht: Atomkrieg war implizites Thema der Platte, im Video griffen sich im Ring schwitzende Dou-bles von Reagan und Tschernenko an. Bei FGTH traf Martialität auf Homoerotik. Der pumpende „Relax“-Bass wurde ihr Markenzeichen, der Rhythmus verbindet Strecken des Albums wie ein Seil. Der Legende nach war Produzent Trevor Horn der wichtigste Frankie-Musiker. Seine und Holly Johnsons Idee, ausgerechnet ein Debüt als Doppel-LP zu veröffentlichen, war größenwahnsinnig, nicht nur für ein Jahrzehnt, in dem solche kaum erschienen. Vielleicht wussten beide auch, dass nach dem „Pleasuredome“ nicht mehr viel Energie übrig bleiben würde – alles musste raus.

Die Platte enthält einige Entschlüsse, vielleicht im Rausch gefasst, die beiden wie Geniestreiche vorkamen, nüchtern aber unangenehm aufstoßen. Etwa die Coverversionen von Springsteens „Born To Run“ oder „Do You Know The Way To San Jose?“ von Bacharach/David, hier als „San Jose (The Way)“. Dazu Passagen, in denen Johnson einfach nur wie von Sinnen lacht. Es war die Überlänge von Maxi-Singles, die das Herrschaftsgebiet von Frankie Goes To Hollywood kennzeichnete.

Die als „Deluxe Edition“ gekennzeichnete Doppel-LP bzw. CD enthält als Bonus lediglich Liner-notes von „Guardian“-Autor Paul Flynn. Die Extra-Tracks sind auf der Anniversary-Edition von 2010 zu finden. (BMG)

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