Friends Manifest!


Cooperative VÖ: 01.06.2012


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Leicht machen sie es einem nicht. Oder ist es genau andersherum: Machen sie es einem vielleicht sogar zu leicht? Das Quintett Friends sieht so aus, wie sich Ina Müller vermutlich eine Band aus Brooklyn vorstellt. Hinzu kommt: Sich in Zeiten allgegenwärtiger Facebook-Kumpelei „Friends“ zu nennen, hat natürlich etwas brüllend Banales. Aber wenn man den hysterisch hochgejuxten Frühzwanzigern auf den ersten Songs ihres Debüts dabei zuhört, wie sie mit dilettantischem Ein-Saiten-Bass, allerhand Getrommel und käsigen Keyboards tollen Wohngemeinschafts-Pop anrichten, ist man fast geneigt, den Erwerb eines Melt-Jutebeutels zu erwägen. Mit zunehmender Spieldauer leistet sich das Album aber den ein oder anderen naheliegenden Quietsch-Sound zu viel.

„Friend Crush“, der Opener, ist für den Moment allerdings ganz wunderbar mit seinem staksenden Schlagwerk, dem seltsamen Synthie und Samantha Urbanis melancholischem Maunzen. Und verhandelt, wie manch anderes Stück, tatsächlich Freundschaft und Freundschaftspolitik. Das tut letztlich auch die andere Single „I’m His Girl“, in der, wie Urbani bei Konzerten gerne betont, „open relationships“ propagiert werden. Gibt es überhaupt andere Beziehungen?

Am besten ist der Klawitter-Pop dieser angehenden Lieblingsband aller weiblichen und männlichen Mädchen immer dann, wenn die Musik leer bleibt, wenn nur Bass und Percussion spielen und nicht alles mit Retro-Achtziger-Synthie-Flächen zugeklebt wird. Dann erinnern Friends beinahe etwas an einen Schülerband-Wettbewerb im Studio 54. Im Hier und Jetzt ergibt das teilweise launige Bier-Musik für kleine Clubs und Wohnzimmer-Vernissagen. Das zweite Album indes könnte schrecklich werden.