Gov't Mule: By A Thread (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Gov’t Mule By A Thread



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Da behaupte noch eine(r), Männer wären nicht multi-tasking-fähig. Von Warren Haynes ist bisher jedenfalls nicht überliefert, dass er sich jemals in den vielen Licks, Läufen und Riffs verirrt hätte, die er in den letzten Jahren für die Allman Brothers, die Grateful Dead und seine eigene Band gespielt hat. Das hat ihn nicht nur in die Gitarristen-Top-25 der US-Ausgabe dieses Magazins getragen, sondern auch zu einem weiteren Studioalbum von Gov’t Mule.

„By A Thread“ bietet gleich zum Auftakt einen prominenten Gast auf, der kaum Gefahr gelaufen sein dürfte, sich zu verzetteln. Billy Gibbons war wahrscheinlich froh, seine „Badass Guitar“ (so sagt’s das Booklet) im funky Texas-Rocker „Broke Down On The Brazos“ mal jenseits von ZZ Top auspacken zu können. Zumal die Session praktisch vor seiner Haustür stattfand. Doch selbst in der guten Stube eines lokal geerdeten Freigeists (Willie Nelsons Pedernales-Studio) und mit dem frischen Wind des neuen Bassisten Jorgen Carlsson können Gov’t Mule nur ansatzweise darüber hinwegtäuschen, dass ein Studio nicht gerade der natürliche Lebensraum einer „Jam-Band“ ist.

Schwierig bleibt der Spagat zwischen verhalten-statischen Impro-Ansätzen und dem Songschreiber Warren Haynes, der – so vielseitig und markant im Ton er auch die Saiten schwingt – als Songschreiber doch bestenfalls Durchschnitt bleibt. Egal, ob er soulig shuffelt („Frozen Fear“) oder akustische Fäden weiterspinnt („Gordon James“, „Forevermore“), auf markanten Riffs bösen Frauen hinterhergreint („Steppin‘ Lightly“), über neun Minuten den „Inside Outside Woman Blues #3“ hat oder sich im ähnlich weit ausholenden, jazzig versetzten „Monday Mourning Meltdown“ und abschließend mit „World Wake Up“ als Zeitkritiker versucht.

Eine schöne Neu-/Umdeutung gelingt aber mit dem flott frisierten Folk-Traditional „Railroad Boy“, und sehr retro kommt auf Hendrix‘ Spuren „Any Open Window“ in Fahrt – wobei es fast rührend ist zu hören, wie Matt Abts hier die Schnittmenge der verehrten Toten Buddy Miles und Mitch Mitchell abzutrommeln versucht. Noch einer bei Gov’t Mule, der mehr als eins zugleich kann.

Jörg Feyer


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