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Haim Days Are Gone


Universal


von

Es sieht aus wie Pop, fühlt sich an wie Pop, hört sich an wie Pop. Aber es riecht nach Rock’n’Roll. Mit einem hypnotischen Singsang beginnt „Let Me Go“. Später stampft ein Bass auf, zwingt dem Gesang der Haim-Schwestern verblüffende Harmoniewechsel auf. Und dann dringt auch noch Danielle Haims Gitarre in diesen Popkosmos ein. Mit einem störrischen Riff, das den Song, der wie so viele Nummern auf dieser Platte Abschiedslied und zugleich irgendwie Hymne auf die Selbstbestimmung ist, aufmischt, ihn fast umkippen lässt. „I know I’m nothing without your love/ So please let me go“, singen die Schwestern, und am Ende kann nicht einmal eine heftig vibrierende Orgel sie aufhalten.

Danielle, Alana und Este Haim sorgen auf ihrem in die Hypemaschinerie geratenen Debüt „Days Are Gone“ für ein herrlich eigenwilliges Konzentrat, das in jeder Phrasierung, jedem Akkordwechsel, jedem dramaturgischen Kniff kunstvoll Pop­historie destilliert. Die Schwestern aus Fernando Valley bedienen sich zwar in den 80er-Jahren. Nicht aber beim Plas­tiksound, der heute in Dorfdiscos gerne bei „Eighties-Parties“ aufgelegt wird, sondern eher beim Funk-Rock-Soul-Amalgam, das Prince damals vorgab. Cyndi Lauper und Madonna schimmern ebenso durch das Repertoire („Falling“,  „Forever“, „If I Could Change Your Mind“) wie Fleetwood Mac. Während sich die Haims live gerne auch mal rabiat auf Peter Greens „Oh Well“ stürzen, ist das Album von den melodieseligen Popentwürfen beseelt, die die Alben „Rumours“ oder „Mirage“ darstellten („Honey & I“, „Go Slow“, „Running If You Call My Name“).

„Days Are Gone“ – das ist Pop im Dauererregungszustand voller erstaunlichen Stimmen, Harmonien, Gitarren und Rhythmen, voller Songs, die selten so enden, wie sie begonnen haben – vom Glamrock-Shuffle von „The Wire“ über „Don’t Save Me“, das sich entlang eines Synthiebrummens schlängelt, bis zu „Days Are Gone“, einem smarten Bananarama-Sing-along. Und „My Song 5“ führt vor, wie R’n’B 2013 auch klingen kann – und findet wieder einmal Platz für ein mürrisches Bluesriff. „Honey, I’m not your honey pie!“, drohen die Schwes­tern und lachen sich kaputt. Okay, es ist nur Pop. Aber unerhört guter.


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