Highlight: Was macht eigentlich Buzz aus „Kevin allein zu Haus“?

Matthew Porterfield I Used To Be Darker


Mit ihren Eltern hat Taryn (eine Entdeckung: Deragh Campbell) vereinbart, dass sie ihre Sommerferien in Wales verbringt, doch stattdessen reist sie nach Ocean City/Maryland, um ihren Freund zu treffen. Aber die Sache hält nicht lange und die 13-Jährige sucht Zuflucht bei ihrem Onkel Bill und ihrer Tante Kim in Baltimore. Das Musikerpaar zeigt sich durchaus erfreut, die Nichte zu sehen, hat aber eigentlich ganz andere Probleme: Nach vielen Jahren ist die Ehe der beiden am Ende, sie werfen sich gegenseitig mangelnde Empathie vor. Vor allem Bill hadert damit, dass er seine Band zugunsten eines gut bezahlten Jobs aufgeben musste, um die Familie zu ernähren. Obwohl sie die Scheidung ohne Streitigkeiten über die Bühne bringen wollen, leidet Tochter Abby sehr unter der Trennung und rebelliert fortan gegen ihre Eltern. Aber Taryns Anwesenheit scheint Motivation genug zu sein, sich mit dem eigenen Kummer auseinanderzusetzen.
Lakonisch und mit zurückgenommener Bildsprache zeigt Regisseur Matthew Porterfield eine Familie im Umbruch. Auch seine Vorgängerfilme, „Hamilton“ und „Putty Hill“, handelten von Menschen, deren Zusammenhalt durch eine außergewöhnliche Situation geradezu erzwungen wird. Dabei scheint es Porterfield nicht eine Sekunde darum zu gehen, die dargestellten Konflikte auf einen tragischen Höhepunkt hin zu entwickeln; Momente des Zweifelns, der Introspektion und damit auch der Langeweile bekommen dafür geradezu poetischen Freiraum.

Der Titel des größtenteils mit Laiendarstellern besetzten Films ist dem Lied „Jim Cain“ des (ebenfalls aus Maryland stammenden) Songwriters Bill Callahan entnommen, dort heißt es: „I used to be darker, then I got lighter, then I got dark again/ Something to be seen­ was passing over and over me.“ Eine ideale und tröstliche Losung für eine Bild-Erzählung, die sich mit minimalistischen Mitteln auf die Suche nach einem neuen amerikanischen Traum begibt.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Susanna White :: Verräter wie wir

Lorenzo Vigas :: Caracas, eine Liebe

Athina Rachel Tsangari :: Chevalier


ÄHNLICHE ARTIKEL

Spoiler der Kinogeschichte: Sechs überraschende Wendungen

Achtung, Spoileralarm! Wir blicken auf sechs der überraschendsten Wendungen der Kinogeschichte zurück.

Was macht eigentlich Buzz aus „Kevin allein zu Haus“?

Devin Ratray spielte in dem Weihnachtsklassiker den frechen Bruder von Kevin. Nach „Home Alone“ wurde es aber schwierig mit guten Rollen - bis zwei Indie-Hits ihn wieder zurück ins Publikumsgedächtnis riefen.

Blick ins Archiv von Komödien-Genie Jacques Tati: Herrliche Zeiten

Mit nur einer Handvoll Filmen schrieb Jacques Tati Filmgeschichte. Ein Kompendium enthüllt nun, wie akribisch der französische Schauspieler und Regisseur seine urkomischen Visionen einer Ein-Mann-Armee gegen die beschleunigte Moderne vorbereitete und inszenierte.


Spoiler der Kinogeschichte: Sechs überraschende Wendungen

Wenn uns die legendären Wendungen der Kinogeschichte etwas lehren, dann das: Am Ende ist es oft doch ganz anders, als es scheint. Wir spoilern sechs verblüffende Schlüsselmomente der Filmgeschicht – erinnerungswürdige Szenen die unsere Annahmen auf den Kopf stellten, die uns staunend zurückließen oder für mächtig Gruselgefühle sorgten. Das Imperium Schlägt Zurück (1980) Spoiler: Im Jahr 1980 wird das Verhältnis von Darth Vader und Luke Skywalker geklärt. Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis … ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen Gut und Böse, das als einer der größten Filmspoiler der Kinogeschichte durchgeht. Für Luke Skywalker geht Anfang…
Weiterlesen
Zur Startseite