India.Arie

„Testimony: Vol.2, Love & Politics“

Während India.Aries letztes Album „Testimony: Vol.1, Love & Relationship“ noch vom Mikrokosmos der eigenen kaputten Beziehung handelte, schickt die Sängerin, Songschreiberin und neuerdings auch Co-Produzentin die Liebe diesmal in das Minenfeld der Politik. Doch auch dieses Thema wird mehr mit dem Herzen erkundet als mit analytischem Verstand.

Die Neo-Soul-Sängerin mit der Stevie-Wonder-Phrasierung steht seit ihrem Debüt „Acoustic Soul“ (2001) zwar für eine kritische Haltung, aber auch für ein freundliches Gutmenschentum. Als US-Botschafterin für UNICEF reiste sie wiederholt nach Afrika. Trotzdem fand sie noch die Zeit für ein neues Album: „Testimony: Vol.2, Love und Politics“ basiert zum größten Teil auf Instrumentalstücken, die India.Arie in monatelangen Sessions mit ihrer Band aufgenommen hat.

„Yellow“ und das eingängige „Ghetto“ schrieb sie bereits vor einigen Jahren. „Chocolate High“ gefällt als ein sich geschmeidig im Midtempo wiegendes Duett mit Musiq Soulchild. „Pearls“, die Wiederbelebung eines Sade-Klassikers, ist ein weiteres Duett, diesmal mit Dobet Gnahoré, einer Sängerin von der Elfenbeinküste.

Die saftige Blues-Nummer „Better Way“ lebt stark von Keb‘ Mos Gitarrenspiel und bringt einen wenigstens ein bisschen zum Schwitzen. Natürlich ist es mit diesem Album wie bei vielen anderen, unter denen die Namen einer ganzen Handvoll Produzenten stehen: Es soll halt für jeden Hörer etwas dabei sein.

India.Arie verfügt über eine wirklich gute Stimme, und die meisten Songs von „Testimony: Vol.2“ sind gelungen. Trotzdem ist da auch eine enorme Harmlosigkeit, die bei allem Anspruch immer mitschwingt. Aber so funktioniert Mainstream nun mal, auch und gerade im Soul. (Universal)

Jürgen Ziemer