Isolation Berlin Und aus den Wolken tropft die Zeit

Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email
von

Bei vielen Sängern schämt man sich, wenn sie schreien. Bei noch viel mehr Sängern rollt man mit den Augen, wenn sie die Sehnsucht, den Größenwahn, den Weltschmerz in ihre Stimme legen. Nicht so bei Tobias Bamborschke.

Selten hat eine deutschsprachige Band mit nur zwei EPs, vor allem mit den Songs „Aquarium“ und „Alles grau“, für derart großes Aufsehen gesorgt wie Isolation Berlin. Und wer sie schon einmal live erleben durfte, weiß, dass sie auch auf der Bühne Exzess, Irrsinn und Zärtlichkeit vermitteln. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das Debütalbum. Dass das Quartett dafür zwölf neue Stücke einspielte, zeugt von Selbstbewusstsein und hohem Anspruch an die eigene Kunst. Die inzwischen vergriffenen EPs erscheinen nun zeitgleich zur ersten LP gebündelt auf der Zusammenstellung „Berliner Schule/Proto­pop“, nebst Coverversionen von Nina Hagen („Fall in love mit mir“) und Joy Division („Isolation“). Letztere dürften ROLLING-STONE-Leser seit der Rare-Trax-CD „True Faith“ ins Herz geschlossen haben.

Die Lieder von „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ gehen zu Herzen, aber auch in die Beine, den Kopf, den ganzen Körper. Isolation Berlin repräsentieren – neben Mutter und auf gewisse Weise auch Element Of Crime – mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Orgel das Gegenteil dessen, was in der Popmusik der vergangenen zwei, drei Jahrzehnte den Ton angegeben hat: keine supatopcheckerbunnyhafte Pop-Cleverness, keine ausgestellte Künstlichkeit, keine (Selbst-)Ironie. Stattdessen Direktheit, Intensität und Authentizität, Zuschreibungen der klassischen Rockmusik, die in Verruf geraten sind. Zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellt. Ob irrlichternder Noiserock ohne Muckerposen („Ich wünschte, ich könnte“, „Wahn“), beschwingte Großstadtpoesie („Aufstehn, losfahrn“) oder Kirmes­ballade in brechtscher Lederjacke („Herz aus Stein“): Textlich und musikalisch riskieren Isolation Berlin Kopf und Kragen – zu unserem Glück.

Kritik: „The Walking Dead“, Staffel 8, Folge 15: Darum ist der Tod dieser Figur eine sehr schlechte Idee

Die Kritik enthält wesentliche Spoiler! Jeder Anführer braucht einen Widersacher, der die Macht hat, dessen Entscheidungen zu hintergehen. Aber nicht im gegnerischen Lager. Sondern innerhalb des eigenen Lagers. Chaos schaffen und Hass in der eigenen Truppe säen: Das macht das Drama aus. Denn die eigenen Leute wissen am besten, wie Autorität in Frage gestellt wird. Und dass dies mehr schmerzt. Rick Grimes hatte Shane, und er zerbrach fast an ihm, deshalb sind die Staffeln eins und zwei von „The Walking Dead“ auch die guten. Seit Shane weg ist, hat Rick keine Konkurrenz mehr, die Sache erlahmt. Negan hatte Simon –…
Weiterlesen
Zur Startseite