Jochen Schmidt: Der Wächter von Pankow (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Jochen Schmidt Der Wächter von Pankow



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Er werde für den Rest seines Lebens „über die DDR nachdenken“, schreibt der Autor an einer Stelle trotzig. Und wie sein bisheriges Werk dokumentiert auch diese neue Sammlung auto-biografischer Geschichten, Essays und Feuilletons seine Fixierung. Schmidt findet sich mit der allmählichen Ausradierung einer Kulturlandschaft nicht ab und versucht seiner untergegangenen Heimat wenigstens literarisch habhaft zu werden. Dass es sich dabei um seine Kindheit und Jugend handelt, erklärt vielleicht, warum ihm jegliche Verbitterung fehlt. Wenn er in Budapest von einem Fremden zu Hilfe gerufen wird, dessen alten Wartburg anzuschieben, fühlt er sich den Ungarn immer noch näher als den Westdeutschen.

Es sind proustsche „Erinnerungsekstasen“, meistens ausgehend von Alltagsdetails, in die er sich hier hineinschreibt und die ihn wieder einmal als meisterlichen Chronisten des Profanen zeigen. Bisweilen hätte man sich allerdings eine stärkere erzählerische Durchformung gewünscht: wenn sich die Texte zu sehr an bloßem Beschreibungspointillismus und hübscher Ideenjonglage berauschen.


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