Podcast: Freiwillige Filmkontrolle


Mehr Infos

Madness Can’t Touch Us Now


Universal

Sie sagen es sogar selbst, man muss nur zuhören: Madness, die erfolgreichste, langlebigste, (vielleicht weil) gefälligste, weißeste Band des End-70er-Ska-Revivals, erklären auf ihrem elften Album ganz gut, was los ist. Gleich im Titelstück, „Can’t Touch Us Now“, das man textlich als trotziges „Ihr könnt uns mal!“ verstehen darf, in „Where Did All The Good Times Go“ („Life today is understated/ I don’t need no complicated“) und in naiv-hoffnungsvollen Durchhalteparolen („There’s a new ­horizon/ Where life has just begun“). Denn für den in sämtlichen ­Medien spielenden Musikprominenten und Sänger Suggs und seine Kollegen hat sich „Life Today“, das Leben heute, geändert, ist einerseits schwerer geworden, wegen stärkerem Gegenwind, größerer Konkurrenz, mangelndem Interesse, zunehmender Alterswehwehchen. Und andererseits leichter, denn wenn man sich auf der Insel auf etwas verlassen kann, dann sind das die Fans der ersten Stunde. Besonders bei der britischen Ska-Welle.

Mediokre Schunkelgeschwindigkeit

Die Fans haben brav auch die letzten Alben gekauft, sind 2002 in das „Our House“-Musical nach London gepilgert, obwohl sie, genau wie Suggs, eigentlich keine Musicals mögen, und werden das vom Stammproduzenten Clive Langer betreute neue Werk genauso rührend stoisch gutheißen. Und dieses neue Werk ist wirklich keine schlechte Platte: Stücke wie das humorige „Mumbo Jumbo“ oder der Titelsong sind hübsch, einfallsreich geschrieben und mit dem üblichen Madness-Instrumentarium inklusive Offbeat-Klavier, Saxofon und herrlichen Streicherarrangements ausgekleidet. Darunter liegt, wie bei allen Madness-Songs seit der Reunion 1992, mediokre Schunkelgeschwindigkeit, denn schließlich muss zur Not der ganze Pub mitschunkeln (können). Man kann das Umarmen der eigenen Retro­spektive auch positiv sehen: Die Band ist sich schlichtweg genauso treu wie ihre Fans ihr. Sind ja auch alle gleich alt.

Aber irgendwo da liegt auch das Problem. Selbst wenn Ska nur kurzzeitig politisch und musikalisch Opposition war, ist das seine wichtigste Phase gewesen. Suggs und Konsorten dagegen stellen auf „Can’t Touch Us Now“ zum wiederholten Male ihre poppige, harm­lose Version dieser Musik vor und sind über die Jahre komplett jener Schlitzohrigkeit verlustig gegangen, die ihre Jugendlichkeit und die damit zusammenhängende Energie einst beinhalteten. Schulstreiche à la „Baggy Trousers“ sind, bei allem Eifer, eben kein Sujet für ein ganzes Leben, und Lausbubencharme benötigt eine gewisse Leichtigkeit. Jedoch klingt der ehemalige Oberlausbub Suggs heute eher nach rotem Kopf, heiserer Kehle und Schwitzen ohne Anstrengung (zaghafte Ferndiagnose: Alkoholabusus). Insofern ist „Can’t Touch Us Now“ schön und überflüssig zugleich

Anzeige


ÄHNLICHE KRITIKEN

Madness  :: "Oui Oui, Si Si, Ja Ja, Da Da"


ÄHNLICHE ARTIKEL

Playlist: Die 13 besten Songs zum Freitag, den 13.

Zum Freitag, den 13. gibt es Songs über den Freitag, das Pech, die 13, das Unglück und das Verlieren. Mit dabei sind u. a.: Mountain Goats, Die Toten Hosen, Elvis Costello, die Beatles und Big Star.

„King of Ska“: Prince Buster ist tot

Der Jamaikaner inspirierte Bands wie Madness und The Specials. Nun ist er im Alter von 78 Jahren in Miami gestorben.

Toughe Liebe, tolle Tage und Königinnen des Untergrunds: die Alben der Woche vom 17. Oktober

Scott Walker hat sich mit der Drone-Metal-Band SunnO))) ins Studio begeben, Jessie Ware präsentiert ihr zweites Album, Neil Diamond und Manfred Mann haben neue Songs geschrieben und Thurston Moore erzählt von seinem "Best Day" - die Alben der Woche vom 17. Oktober.

Anzeige

MagentaTV erleben: Digitales Fernsehen mit Internet- und Telefon-Flat zum Aktionspreis

Digital-TV mit Internet- und Telefon-Flat: Zeitversetzt fernsehen auf 100 Sendern/20 HD, Zugriff auf Streaming-Dienste, Serien & Filme in der Megathek

Jetzt Bestellen

Serienhelden: Die Liste der Unsterblichen (Platz 11. bis 20.)

11. Hank Moody (Californication) Mad Men" kam später, und so war Hank Moody der erste Nichteuropäer seit langer Zeit, der im US-Fernsehen rauchte. Außerdem fährt Moody Porsche, ist Alkoholiker und googelt sich gern selbst. Einzelne Handlungsabschnitte von "Californication" werden mit einer rittlings auf Moody sitzenden Frau abgeschlossen oder eingeleitet. In einem anderen Leben hatte Hank Moody eine bürgerliche Beziehung, der die Tochter Becca entsprang. Damals schrieb er auch den Erfolgsroman "God Hates Us All". Der defätistische Autor ist zu gleichen Teilen von sich selbst angeekelter Zyniker und Narziss. Der angeblich sexsüchtige David Duchovny hatte in "Akte X" geglänzt, aber erst…
Weiterlesen
Zur Startseite