Highlight: Videogalerie: Die Super Bowl Halftime Shows von 2000 bis 2011

Madonna MDNA


Universal VÖ: 23. März 2012

Es geschieht nicht oft, dass die Feuilletons von FAZ und Süddeutscher Zeitung die exakt gleiche Aufmachung haben. Am Donnerstag war es soweit: Unter kunstvoll verwehtem Haar schaut uns Madonnas linkes Auge an, die Fingerspitzen ihrer linken Hand weisen auf ihren nackten Oberschenkel, der Rest des Körpers ist in eine Art Netzhemdchenschlauch verpackt. Die Süddeutsche druckt das schicke schwarzweiße Promofoto gut anderthalb Zentimeter größer, in der FAZ hat es mehr Tiefe und Kontur.

Anlass des medialen Gleichklangs: Madonnas neues Album „MDNA“ (wahlweise als Anspielung auf Ecstasy oder harmloses Namenswortspiel zu lesen), ihr zwölftes und natürlich ein Ereignis, sowieso. Das Thema liefert die Großkünstlerin bereitwillig frei Haus – ihre redundante Verwendung des Begriffs „Girl“ provoziert vier von fünf Rezensenten zu der Frage, ob sich eine 53-jährige mehrfache Mutter, die heute bestimmt viel mehr Zeit im Badezimmer braucht als vor zwanzig Jahren, überhaupt noch als solches bezeichnen darf. Ach, Gottchen, das In-Würde-Altern-Ding mal wieder, da lacht sich Mick Jagger ins faltige Fäustchen. Die andere Diskussion, die Madonnas neues Album befeuert, ist die nach dem Stand ihrer Relevanz, wo sie halt nicht sonderlich up-to-date klingt, kein Dubstep nirgendwo. Stattdessen reichlich aggressive Böllerdisco, gelegentlich von unspektakulären Midtempo-Songs unterbrochen, ohne die großen Überraschungen und Höhepunkte. Ihr letztes Album „Hard Candy“ war ja auch schon etwas ratlos. Und heute? Klingt sie entschlossener. Ein bisschen desperat zwar, aber wie zur Faust geballt. Erneut hat William Orbit produziert, unterstützt von den Euro-House-Routiniers Martin Solveig und Benny Benassi. Namen, die nicht für Innovation stehen, aber für Kontinuität im Spätwerk der Künstlerin. Das letzte Madonna-Album, das musikalisch überraschte und überzeugte liegt zwölf Jahre zurück, es heißt „Music“ und schon damals sprach man über ihr Alter.

Madonna muss nichts mehr beweisen. Aber was hat sie uns noch zu sagen? Nichts anderes als früher. Es geht einmal mehr um sexuelle Selbstbestimmung, um Materialismus (hier: Bargeld), um Reue und um die Freuden der Tanzfläche. Manchmal gelingen ihr bezaubernd selbstanklagende Momente („I Fucked Up“), manchmal herrlich doofer Euro-Trash („Gang Bang“), manchmal euphorisierter Pop, wie man ihn zuletzt in den 80er Jahren von ihr hörte („Turn Up The Radio“ – he, das gute alte Radio!), und dann wieder brummt und donnert es eher indifferent aus den Boxentürmen – und in den kommenden Tagen auch aus Tausenden Autos, Büros, Küchen. Das ist ganz ok so. Revolutionen finden anderswo statt. Und das Feuilleton darf sich wieder dem Dubstep widmen.

Kooperation

ÄHNLICHE KRITIKEN

Madonna - 20 Jahre „Ray Of Light“ :: Die Erleuchtung der globalen Krise

Schon manches Mal galt Madonna als cool, wenn nicht wegweisend. Clever sowieso. Und auch „Ray Of Light" zeugt von Integrations-,...

Rewind Today 1984: "Like A Virgin" erobert Platz eins der US-Charts

Beim Wiederhören klingen die Lieder gar nicht so putzig, wie es uns die mit allerlei Kruzifixen behangene 26-Jährige damals weismachen...

M.I.A. :: Matangi 

Als radikale Polit-Rapperin ergeht sich M.I.A. nur noch in Klischees – aber ihre exotischen Beats sorgen für tolle HipHop-Momente


ÄHNLICHE ARTIKEL

Madonna hat sich in Kolumbien verliebt und singt von „Medellín“

Mit „Medellín“ hat Madonna die erste Single ihres kommenden Albums „Madame X“ geteilt. Sie kooperiert dabei mit dem kolumbianischen Sänger Maluma.

Madonna macht beim Eurovision Song Contest 2019 mit

Madonna wird beim ESC in Israel zwei Songs vorstellen. Als Kandidatin ist die Amerikanerin natürlich nicht am Start.

Po: Madonna wehrt sich per Twitter gegen Bodyshaming

In der Neujahrsnacht absolvierte Madonna einen Überraschungsauftritt in New York. Doch für viele war anscheinend nicht die Musik, sondern das Aussehen der Sängerin ein Thema. Dagegen wehrt sie sich jetzt.


Madonna hat sich in Kolumbien verliebt und singt von „Medellín“

Madonna hat nach einem ersten Teaser ihrer neuen Songs nun auch ihre erste Single unter die Menschen gebracht: „Medellín“. Der Reggaeton-Track ist eine Kooperation mit dem kolumbianischen Sänger Maluma und ist benannt nach der gleichnamigen Stadt in dem südamerikanischen Land (bekannt und berüchtigt als Drogenumschlagplatz). Zum ersten Mal wird nun also klar, wohin Madonnas neue Identität „Madame X“ (wie auch ihre kommende LP heißen wird) führen wird. Die Queen Of Pop gab zuletzt bekannt, dass sie als ihr alter ego wie eine Geheimagentin um die Welt reisen würde, zugleich mehrfach ihre Identität wechselnde, um für mehr Freiheit zu kämpfen. Fans…
Weiterlesen
Zur Startseite