Malva „Das Grell in meinem Kopf“ – Klares Leuchten


Trikont (VÖ: 18.11.)


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Nicht gerade Duden-kompatibel, der Albumtitel. Doch jenseits von Grammatik könnte er auch in die Irre führen – unter der Prämisse, dass das, was da im Kopf der Künstlerin ist, sich zumindest ähnlich den Weg nach draußen bahnen müsse. Doch grell ist gar nichts an diesem erstaunlichen Debüt dieser gerade mal 20-jährigen Münchnerin, das Malva (Scherer) mit ihrem Kreativpartner Quirin Ebnet (Instrumente, Technik, Produktion) erarbeitet hat. In Summe ergeben diese rund 35 Minuten vielmehr ein mattes, gleichwohl stets klar konturiertes Leuchten, gespeist von der Sehnsucht, im eigenen Schatten verschwinden zu können. Und der Einsicht, dass das unmöglich bleiben wird.

Intim, nicht exhibitionistisch

Dabei kehrt Malva am Ende wieder zum Anfang zurück, sie beschreibt sowohl ihre Entwicklung als Performerin als auch den musikalischen Bogen von „Das Grell in meinem Kopf“. „Pieces And Shards“ empfängt uns direkt auf der Bettkante, intim, nicht exhibitionistisch. Zum Kehraus spendiert sie dem Song „full range“ – eine dezente Funky-Note, extrovertierter, nicht besinnungslos. Dazwischen lockt der Indie-Pop von „Middle Of Nowhere“, der Malva auch als Vokalistin mal weiter vor die Tür lockt. Ein Off-Beat, der sich sanft zu der Fremdelnden im „Second Floor“ aufschwingt (unwillkürlich steht nebenan Suzanne Vegas „Luka“ in der Tür, auf derselben Etage unbehaust).

Auch verhaltener Ballroom-Schwof („Dance With The Devil“) oder ein Frühlingserwachen zwischen Beats und Barpiano um „10 Uhr 10“. Aber zwischendurch schnell zurück auf die Bettkante! „I Drank Your Texts Earlier That Night“. Später wird Malva sogar eine Schnapsidee trinken, in einem von zwei Poesie-Zwischenspielen, unterlegt mit Alltagssounds. Umstandslos war sie schon vorher vom Englischen ins Deutsche gewechselt, um sich etwa die schöne Metapher „Kandierter Kummer“ nicht entgehen zu lassen. Sie wissen schon, dieser Hauch Behaglichkeit, der selbst tiefe Tristesse umwehen kann. Manchmal spricht doch nichts gegen vertonte Tagebücher. Malva beginnt ihre Eintragungen gern mit einem „Liebe Patti“. As in: Smith.


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Nach dem Geniestreich: Bittersüßer Seventies-Pop von der großartigen Songwriterin.


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