Marcus Mumford „(Self-Titled)“


Warner (VÖ: 16.9.)


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Nachdem sich die Londoner Traditions- Folkies Mumford & Sons mit „Delta“ (2018) einen neuen und dabei merkwürdig unentschlossenen Powersound verordnet hatten, war erst einmal Schluss. Schicht im Schacht. Gitarrist Winston Marshall mutierte zum Querdenker und drohte mit Ausstieg, um „freier“ reden zu können. Die letzte „News“ auf der offiziellen Band-Website ist von November 2020. Alles scheint eingefroren, die gemeinsame Karriere ungewiss im Ruhezustand.

Leider eine ziemlich öde Schaffe

So bleibt es Mastermind Marcus Mumford überlassen, die Starre zu überwinden. Das geht am besten mit einem Soloalbum, das weder Rücksicht auf Bandchemie noch auf passiv-aggressive Strukturen nehmen muss, die sich in viele Musikformationen ebenso einschleichen wie in langjährige Ehen. Er habe sich vorgenommen, sagte er lapidar in einem im Vorfeld geführten Interview, „ein paar Lieder zu schreiben und einfach zu verfolgen, wohin sie führen“. Ausgangspunkt war der Song „Cannibal“, der nun am Anfang des Albums steht, entstanden in der zweiten Pandemiephase. Sein Kumpel Blake Mills gab den musikalischen Sparringspartner. Mit Tracks von Brandi Carlile, Phoebe Bridgers und Clairo hat er externe Skills versammelt. Eine starke Truppe mit US-Beteiligung.

Mit seinem ruhigen, spartanisch instrumentierten Vortrag bei „Cannibal“, der ab der Mitte in einem Wall-of-Sound-Moment explodiert, geht Mumford zurück zu den Anfängen, als seine Kumpelband und er um 2008 herum in Londoner Pubs Handgemachtes mit Western-Hosenträgern und Tweedhosen kombinierten. Die zweifellos vorhandenen Meriten der Zehnerjahre verblassen aber, wenn es mit „Grace“ weitergeht, einem Werk ohne Linie und Schmiss, mal mehr luftiges Geklampfe, später dann gefälliger Rock-Pop à la „Better Angels“. Mumfords Stimme hat weiterhin Qualitäten als Country-Crooner, doch in „Stonecatcher“ überspielt er das Landei-Pathos deutlich. „How“, als Rausschmeißer, steht dann mehrstimmig in der Luft. Leider eine ziemlich öde Schaffe.


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