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Max Brooks Devolution



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Reiche Aussteiger ziehen in die Gebirgswälder nördlich von Seattle: Hightech­-Gläubige, die in ihrer neuen Mikroökosiedlung kein Landleben erwarten, sondern ein Stadtleben in ländlicher Kulisse. Als der Vulkan Mount Rainier ausbricht, flüchtet in ihre Richtung eine Horde Sasquatch. Bigfoot lebt! Nur ist er hungrig. Mühsam erkennen die Woke-­Philosophen, dass die Menschenaffen keine „matriarchalischen Pazifisten“ sind. Sie müssen in den Krieg gegen die Primaten ziehen, auch mit selbst gebastelten Speeren.

Aus dem Western: Prepare-for-Battle-Situationen

Max Brooks, Sohn des Humoristen Mel, entwarf mit seinen Zombieromanen rund um „World War Z“ großartige Endzeitszenarien. Auch in „Devolution“ bleibt Brooks’ liebstes Sujet jenes, das eigentlich dem Western entlehnt ist: die Sicherheitsvorkehrungen der Prepper in Prepare-­for-­Battle-­Situationen, bei denen früher oder später immer einer die Häuserblockaden durchbricht.

Nur ist diesmal unklar, für wessen Seite Brooks’ Herz schlägt: die gut meinenden Stadtmenschen oder den Bigfoot, der doch für die unzähligen Tierarten steht, deren Lebensraum durch Zivilisation zurückgedrängt wird. Er schreibt, die Sasquatch wollen die „Evolution gegen Devolution tauschen, um sich zurückzuholen, was ihnen gehört“. Ein einwandfreies Anliegen. Aber er nutzt Bigfoot lediglich als erzählerisches Mittel, um seine eigentliche Geschichte zu entwickeln: die Selbstermächtigung eines Menschleins. Seine Heldin ist die unzufriedene Ehefrau Kate, die den Kampf gegen die brüllende Zottelbande aufnimmt und dabei natür­lich lernt, all die andere Angst, die sie ihr Leben lang begleitete, abzulegen.

Die Distanzierung des Menschen von der Natur, sagt eine Romanfigur, sei ein Übel. Nur sind es eben auch jene üblen Errungenschaften der Zivilisation, die im blutigen Finale hilf­reich sind. Mit dem iPad gesteuerte Häuser werden vom Safe Space des Menschen zur tödlichen Falle für animalische Einbrecher. „Kevin – Allein zu Haus“ für die Generation Musk.

(Goldmann)


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