Melodys Baby Regie: Bernard Bellefroid

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Melodys Baby - Start: 14.5.

Die junge Melody träumt von einem eigenen Friseursalon, die Geschäftsfrau Emily wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Melody fehlt das nötige Startkapital, und so beschließt sie, sich im Internet als Leihmutter anzubieten. Die beiden Frauen verabreden ein Treffen, der Deal scheint einfach und logisch: Für eine Abfindung von 50.000 Euro trägt Melody Emilys Kind aus. Doch während der Schwangerschaft wird die nüchterne Abmachung für beide Frauen zu einer emotionalen Belastungsprobe.

„Melodys Baby“, der zweite Spielfilm des belgischen Regisseurs Bernard Bellefroid, ist ein klassisches Zwei-Frauen-Drama. Der Film konzentriert sich ausschließlich auf die beiden Hauptfiguren. Ähnlich wie die Dardenne-Brüder, seine Landsmänner, bleibt auch Bellefroid im wahrsten Sinne des Wortes nah an seinen Figuren und stellt mit der Kamera eine geradezu körperliche Nähe zu den Protagonistinnen her. Minutiös verfolgt der Zuschauer, wie sich die beiden Frauen aus ihrer Einsamkeit heraus begegnen und mit der Zeit ein fragiles Mutter-Tochter-Verhältnis aufbauen.

Bellefroid lässt seine Figuren dabei die komplette emotionale Klaviatur durchlaufen, und es ist den großartigen Darstellerinnen zu verdanken, dass das nicht wie eine Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule wirkt, sondern dass die beiden diesen Film zu einem großen Teil tatsächlich allein tragen. Die Chemie zwischen der jungen belgischen Theaterschauspielerin Lucie Debay und der Australierin Rachael
Blake ist derart stimmig, dass es nur logisch erscheint, wenn die anfänglich konträren Figuren nach und nach in familiärer Symbiose verschmelzen.

Doch das harmonische Zusammenspiel kann nicht über Längen hinwegtäuschen, wenn Bellefroid in kammerspielartiger Enge über Abhängigkeit, Freiheit und Einsamkeit dialogisieren lässt. Aber sobald das Bild sich wieder öffnet und der Blick in die Ferne freigegeben wird, erzählt er kraftvoll von der Sehnsucht nach Geborgenheit, die Familie heißen könnte

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