Phoenix: "Wolfgang Amadeus Phoenix" (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Phoenix „Wolfgang Amadeus Phoenix“



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Es waren ja doch sehr viele Gitarren auf der letzten Platte von Phoenix, „It’s Never Been Like That“. Die vier Franzosen ließen die Lust an der Draperie sein und zeigten sich nackig, was vor dem Hintergrund dieser Diskografie vielleicht Sinn ergeben hat. Es war aber auch ein bisschen enttäuschend, weil man doch von Phoenix eben das Dekor will, den Elektro-Stuck, die sequenzierten Beats, die Tanzfläche.

Die gute Nachricht: Auf ihrem neuen Album machen Phoenix es wieder glamourös, vielleicht so glamourös wie noch nie. Der Opener macht das ganz klar, vermengt Indie-Gitarren mit Eighties-Eleganz und jenem elektronischen Grundgefühl, das im modernen Frankreich vielleicht ein Lebensgefühl ist. Überall Synthies! Phoenix haben sich viel Zeit gelassen und mit dem House-Produzenten Philippe Zdar elegant-futuristische Oberflächen geschaffen.

Es liegt etwas gleichzeitig Nostalgisches und Avantgardistisches in dieser Musik- dass Phoenix kontrovers sein und Gegensätze vereinen wollen, deutet der Titel ja schon an. Ein Höhepunkt ist das (fast) instrumentale „Love Like A Sunset“, das Prog-Rock und Art-Pop zugleich ist und sich mit immer neuen Synchros nach oben schraubt, bis eine entstellte Flöte das Lied ganz in die Maschine führt.

Aber natürlich greifen vor allem die schmissigen Pop-Lieder- das genannte „Lisztomania“ ist genauso gut wie die zackige Wave-Disco „1901“ und das gitarrenlastigere „Lasso“, bei dem man die- hier auch wichtige- Prägung durch Franz Ferdinand und die Strokes ganz gut erkennen kann.

Nicht alles auf „Wolfgang Amadeus Phoenix“ hat ein gleichbleibend hohes Niveau, aber das ist nebensächlich. Die Botschaft dieser Platte ist: Phoenix entfalten ihre Potenziale, bringen ihre verschiedenen Möglichkeiten zusammen und machen beim Großwerden keine Fehler. Genauso hatte man es erhofft. (V2/Cooperative)

Jörn Schlüter


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