Pretenders: "Break Up The Concrete" (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Pretenders „Break Up The Concrete“



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Was will sie uns damit sagen? Womöglich dies: Ich, Chrissie Hynde, spiele das Spiel alle Jahre wieder immer noch mit. Aber ich spiele es auch 30 Jahre nach „Pretenders“ immer noch nach meinen Regeln. Ein „Best Of“ als Mogelpackung, aufgehübscht mit zwei neuen Song-Nichtigkeiten, als Kaufanreiz für die harte Fan-Gemeinde? Nicht mit mir.

Dieses „The Best Of“ mit 22 Songs ist- von „Brass In Pocket“ über „Don’t Get Me Wrong“ bis „I’ll Stand By You“- nicht weniger als eine ziemlich definitive Hit-Werkschau. Und die neuen Songs- elf, nicht zwei- gibt’s separat dazu auf einem neuen Album, in klassischer Vinyl-Länge von knapp 37 Minuten.

Gerade der direkte Kontrast verdeutlicht, dass Hynde ihre Band für „Break Up The Concrete“ noch mal ein bisschen neu erfinden wollte, als eine Art Americana-Pretenders. Für Haudrauf-Dominator Martin Chambers trommelt L.A.-Großmeister Jim Keltner, der auch hier die Beats gern mal umspielt, statt sie nur trocken auszuzählen. Dazu sorgen mit James Walbourne (Pernice Brothers) und Pedal Steeler Eric Heywood (Son Volt etc.) zwei versierte Gitarren-Fachkräfte für entsprechendes Flair.

Walbourne hat gleich einen fulminanten Auftritt in „Boots Of Chinese Plastic“, einem halsbrecherischen Rockabilly-Bastard vor dem Herrn, den Hynde in diesem Glaubensbekenntnis der etwas anderen Art direkt aufruft: „Jesus Christ came down here as a livin‘ man, if he can live a life of virtue then I hope I can…“

Die Herzensangelegenheiten eröffnet Hynde mit „Don’t Lose Faith In Me“ im Soul-Fach, während sonst Country-Affines dominiert, etwa im dankbaren „You Didn’t Have To“ und im finalen „One Thing Never Changed“. Die alte Romantikerin sattelt für „The Last Ride“, während plötzlich auch mal ein Piano plinkert und ein Mini-Galeeren-Chor hu-hu-t. Dazwischen wird mit dem einzigen Cover „Rosalee“ (Robert Kidney) mal eben ein Swamp-R&B-Kracher platziert oder das seltsam mäandernde „Almost Perfect“, das eigentlich nirgendwohin führt, aber gerade daraus seinen Reiz bezieht.

Noch stärker wie ein Schuss aus der Hüfte mutet nur das rumpelnde „Don’t Cut Your Hair“ an. Doch auch insgesamt klingt „Break Up The Concrete“ mit seiner direkten Zwischen-Tür-und-Angel-Atmosphäre wie das vielleicht unproduzierteste Pretenders-Album- fast so wie damals, als Nick Lowe mal eben drei Stunden seiner Costello-Session („Armed Forces“) für die erste Single „Stop Your Sobbing“ erübrigte- inklusive B-Seite und Abmischen versteht sich. Vergleichen Sie jetzt direkt! (Warner)

Jörg Feyer


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