Raye
„This Music May Contain Hope“
The Orchard (VÖ: 27.3.)
Die neue große UK-Diva gewinnt weiter an Format.
Die Londonerin Rachel Agatha Keen alias Raye, meist im Diva-Gewand anzutreffen, feierte eine triumphale Tour, in Deutschland mit zwei ausverkauften Arenakonzerten. Ihre Fans sahen eine beeindruckende Revue der 28-Jährigen aus multikulturellem Elternhaus, das ihren Musikansatz frühzeitig prägte: the School of Kirchenchor. „Where Is My Husband!“ erreichte Platz 1 der UK-Charts und vermixt R&B, Soul und verpoppte Big-Band-Elemente. Die live bereits gespielten Songs ihres zweiten Albums reichen von melancholischen Ansätzen bei „Intro: Girl Under The Gray Cloud“ bis zu Power Tracks wie „I Will Overcome“.
Zwischen ironischer Selbstbeobachtung und Ironie-Erotischem
Somit ist „This Music May Contain Hope“ ein bewusstes Gegenstück zum verhaltenen Debüt „My 21st Century Blues“, wo von Trauma, Irrungen und Wirkungen erzählt wird. Der Nachfolger führt auf einen emotional offenen Trip nach dem Muster eines Konzeptalbums, das allerlei Lebensdinge zugleich umarmt. Die „Four Seasons“-Idee erinnert an Vorbilder aus der Klassik (siehe Vivaldi)– ein gehobener, 17 Songs starker Kessel Buntes.
Das „Intro“ kommt als nachdenkliche Ouvertüre, bevor „I Will Overcome“ und „Winter Woman“ Durchhaltewillen und Verletzlichkeit verschränken. Zwischen ironischer Selbstbeobachtung („The WhatsApp Shakespeare“, „I Hate The Way I Look Today“) und Ironie-Erotischem („Beware … The South London Lover Boy“) spannt sich ein Bogen, der urbanes Jetzt mit innerer Selbstprüfung verbindet. Die „Click Clack Symphony“, eine Zusammenarbeit mit Hollywood-Wizard Hans Zimmer, ist eine orchestrale Wucht in Rayes Soul- und R&B-Kosmos. EmoziHöhepunkt: „Goodbye Henry“ mit Altmeister Al Green – eine generationsübergreifende Begegnung. Und gekonnt Genregrenzen überschritten.